Endstation Altomünster: Am 18. Dezember 1913 wurde der zweite Streckenabschnitt eröffnet. Bis es soweit war, gab es vielerlei Begebenheiten rund um die Lokalbahn. kn

Kommt mit dem Bockerl der Aufschwung?

Dachau - Vor 100 Jahren wurde die Lokalbahn Dachau-Altomünster eröffnet. Ihr Bau schürte Hoffnungen in den Gemeinden, wirtschaftliche Erwartungen. Eine Serie zum Jubiläum im Oktober.

Fast zwei Jahrzehnte vergingen von der Planung bis zur Verwirklichung einer Lokalbahnlinie von Dachau nach Altomünster: aufgrund von vielen Streitigkeiten über den Streckenverlauf unter den Gemeinden.

Bereits im Jahr 1893 reichte die Handels- und Gewerbekammer Oberbayern beim Königlichen Staatsministerium des Inneren einen Vorschlag für den Bau einer Eisenbahn von Dachau über Altomünster nach Aichach ein. Eine Erschließung des landwirtschaftlich sehr ergiebigen Dachauer Hinterlandes mit einer Bahnlinie würde der Versorgung des wachsenden München zu Gute gekommen, lautete das Argument. Doch die bayerische Staatsregierung lehnte den Bau dieser Verbindung ab.

Um dem Ziel näher zu kommen, gründete sich im Jahr 1897 ein „Eisenbahn-Comité“, dem unter anderem auch der Etzenhausener Zimmermeister Anton Mayer angehörte. Einem Gesuch an die Staatsregierung, mit den technischen Vorarbeiten für den Eisenbahnbau zu beginnen, wurde am 3. Juli 1897 stattgegeben.

Die geplante Bahntrasse sollte auf direktem Wege von Dachau nach Altomünster ohne Anschluss der Marktgemeinde Indersdorf verlaufen. Die Marktgemeinde Indersdorf, die sich ebenfalls einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Anbindung an das Staatsbahnnetz erhoffte, beantragte deshalb bei der Staatsregierung gleichermaßen die Genehmigung für die technischen Vorarbeiten für eine Bahnlinie von Röhrmoos über Indersdorf nach Altomünster. Die Staatsregierung erteilte für diese Vorarbeiten ebenfalls eine Genehmigung.

Somit war der Grundstein für unzählige Streitigkeiten unter den Gemeinden der miteinander konkurrierenden Bahnprojekte gelegt. Die Generaldirektion der Staatseisenbahnen entschied sich jedoch für die Bahnlinie von Dachau nach Altomünster. Am 16. März 1900 erteilte Prinzregent Luitpold der Baufirma Sager & Woerner die Konzession für den Bau und Betrieb dieser Lokalbahn.

Nur zwei Jahre nach Erteilung der Konzession wurde das Bahnprojekt aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession von der Baufirma Sager & Woerner beendet und die Konzession an den Staat zurückgegeben. Dazu schrieb die Baufirma am 2. Mai 1902 an den Vorstand des Eisenbahn-Comités Folgendes: Aufgrund der „[...] wirtschaftlichen Rückgänge auf allen Erwerbsgebieten, insbesondere aber auf dem der Bauthätigkeit, mussten aus der für die Rentabilität der Bahn aufgestellten Wahrscheinlichkeitsberechnung von Allem die Verkehrsmengen derjenigen Transportmaterialien der neuen Bahn ausscheiden, welche für den Baugewerksbetrieb in München und Umgebung in Frage kamen, es sind dies Schweissand und Quarzsand [...] und Ziegelmaterial, das aus den Lehm- und Thonlagern längs und in der Nähe der Bahn hätte fabriziert werden können.“ Damit war die Finanzierung und Rentabilität der geplanten Lokalbahn nicht mehr gegeben.

Das Eisenbahnkomitee Dachau hielt jedoch weiter an seinen Zielen fest. Auch kostenlose Grundstücksabtretungen der an der geplanten Bahnlinie Dachau-Altomünster liegenden Gemeinden überzeugten die Staatsregierung nicht.

Schließlich führte die Verwaltung der Staatseisenbahnen für die beiden Strecken Dachau-Altomünster und Röhrmoos-Indersdorf-Altomünster vergleichende Ertragsberechnungen durch. Das Ergebnis lag im Mai 1907 vor: Die voraussichtliche Verzinsung der Baukosten für die Bahnstrecke Dachau-Altomünster war höher als für die Variante von Röhrmoos über Indersdorf nach Altomünster.

Die Marktgemeinde Indersdorf verzichtete daraufhin auf die Strecke von Röhrmoos nach Altomünster und beantragte gleichzeitig eine Stichbahn von der Bahnstrecke Dachau-Altomünster nach Indersdorf. Daraufhin ordnete das Verkehrsministerium an, Indersdorf in den Streckenverlauf miteinzubeziehen.

In einer Versammlung am 19. Oktober 1907 stellte die Staatsbahndirektion München den Lokalbahninteressenten den geplanten Streckenverlauf vor. Die Grunderwerbskosten, geschätzte 160 000 RM, waren von den Gemeinden selbst aufzubringen. Deshalb mussten die Gemeindevertreter der an die Bahnlinie angeschlossenen Gemeinden die Zuschussleistungen zusichern.

Der Landtag beschloss am 26. Juni 1908 den Bau der Lokalbahnstrecke Dachau-Indersdorf-Altomünster. Ende des Jahres 1910 wurde von der Firma Schramm & Krauss mit den Bauarbeiten für das Los I begonnen. Das erste Teilstück Dachau-Indersdorf wurde schließlich am 8. Juli 1912 eröffnet. Die Eröffnung des zweiten Streckenabschnitts Indersdorf-Altomünster erfolgte am 18. Dezember 1913. Bis es soweit war, gab es vielerlei Begebenheiten rund um die Lokalbahn, über die die Dachauer Nachrichten in einer Serie berichten.

Der Autor

Florian Hartmann (26 ) ist Diplom-Ingenieur für Energie und Umwelttechnik. Schon von Kindesbeinen an interessiert er sich für die Eisenbahn. In seinem Keller steht eine Modelleisenbahn, seit 15 Jahren ist er Mitglied des Eisenbahnclubs Krauss Maffei.

Florian Hartmann

Auch interessant

Kommentare