Kontrast, der harmoniert

Dachau - Es ist keine gewöhnliche Ausstellung, die derzeit in der Neuen Galerie zu sehen ist. Zwei Künstler, Jan Brokof und Susanne Hanus, zeigen Außen- und Innenansichten. Und damit trifft zeitgenössischer Holzschnitt auf versteckte Botschaften, Erinnerungen, Rätsel.

Die Werke der beiden Künstler könnten nicht unterschiedlicher sein, und dennoch harmonieren die Schwarz-Weiß-Installationen an der Wand, am Fenster, im Raum. Während Brokof der Anonymität und Kontinuität von Stadt und Individuum ein Gesicht verleiht, sie aus den Städten heraustreten lässt, ist es in Hanus Werken gerade jener Schatten, der sich über all ihre Werke legt.

Je länger und intensiver der Betrachter ihre Holzparavents und Linoldrucke an den Wänden auf sich wirken lässt, umso mehr tritt das Unerwartete, das Mystische aus ihren Werken hervor. Ein Mann sitzt auf einer Couch, die Couch wird zum Weg, der vorbei an einsamen Zigaretten und Aschenbecher führt, und eine Frau mit langen schwarzen Haaren zeigt. Der Teufel in Zwittergestalt experimentiert an der schlafenden Schönheit herum. Und dennoch haben die streichelnden Bewegungen etwas liebevolles, harmonisches an sich. Vom Plattenbau inspiriert zeigen Brokofs Installationen das Stadtleben von seiner anonymen und zugleich eindringlichsten Seite. Der Junge, der an einer Straßenecke uriniert, die alte Frau, die sich mit ihren Einkäufen nach Hause quält.

Besonders ist die Technik der beiden Künstler, die sich trotz altertümlicher Holzschnitttechnik durch ihre moderne Umsetzung von der alten Methode abheben, sie transformieren und weiterentwickeln. Die beiden, die sich an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden kennenlernten, schätzen die konsequente Beschränkung der Technik auf schwarz und weiß, den Kontrast und ihre Dramatik.

Brokof bedient sich der Technik des Holzschnitts, um das sich stets wiederholende Schema der Fassaden wiederzugeben. Dabei benutzt er neben dem reinen Schwarz-Weiß-Schnitt auch den unfarbigen Holzschnitt, in mehreren Graustufen. Susanne Hanus dagegen schnitzt in Holz ihre meist mehrteiligen Bilder, die meistens Relief bleiben. Obwohl sie mit Farbe beschichtet sind, dienen sie nicht als Druckstöcke. Die Druckvorlage wird zum eigentlichen Kunstwerk, zum Unikat.

(reg)

Die Ausstellung ist noch bis zum Dienstag, 17. Juli, in der Neuen Galerie in der Altstadt zu sehen.

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