Kontrolle statt "Fasching hinter Gittern"

Dachau - Die Note zwei haben die Teilnehmer des „Runden Tisches zum Schutz Jugendlicher vor Alkoholkonsum am Faschingsumzug“ für die Umsetzung ihres Anliegens durchschnittlich vergeben.

Die Teilnehmer von Elternbeiräten, Gesundheitsamt, Polizei, Jugendrat und -amt, Ordnungsamt und Jugendabteilung der Stadt Dachau waren sich einig: Der gemeinsam erarbeitete Aktionsplan des „Runden Tisches zum Schutz Jugendlicher vor Alkoholkonsum am Faschingsumzug“ war erfolgreich. Stadtjugendpflegerin Christine Wörthmann hatte den Runden Tisch zu einem Bilanztreffen ins Ludwig-Thoma-Haus eingeladen. Auf einer Notenskala von null bis sechs bewerteten die Teilnehmer den Erfolg der Maßnahmen mit eins bis zwei. Die Mehrzahl der Teilnehmer stufte den Erfolg insgesamt als „gut“ ein.

Laut Polizei lief der Faschingsumzug wesentlich ruhiger ab als im Vorjahr. Die Beamten konnten Jugendlichen Schnaps konsequent abnehmen und ausschütten. Nichtsdestotrotz gab es einige alkoholisierte junge Menschen. Lediglich die „teilweise eskalierte“ Feier in der Schranne mit einer Schlägerei war den Beamten „ein Dorn im Auge“.

Laut Dr. Michael Weber, Chefarzt der Inneren Medizin und Direktor der Notaufnahme, waren am Faschingswochenende insgesamt drei Minderjährige und drei junge Erwachsene mit Bewusstseinsstörungen aufgrund von Alkoholkonsums eingeliefert worden. Ein 16-Jähriger hatte 1,6 Promille Alkohol im Blut, er kam aus Gauting. Es war dieses Jahr keine Intensivbehandlung nötig. Das Krankenhaus konnte die drei Minderjährigen innerhalb von 24 Stunden den Eltern übergeben. Zudem gab es heuer keinerlei Schnittverletzungen.

Von der Jugendabteilung der Stadt war im Vorfeld eine Medienkampagne gestartet worden. Zudem waren der Streetworker sowie zwei Sozialpädagogen beim Faschingsumzug im Einsatz.

Patricia Nees-Schuldt von der „Elternplattform Suchtprävention“ sprach erneut an, inwiefern nicht ein konsequentes Alkoholverbot beim Faschingsumzug umgesetzt werden könne. Stefan Januschkowetz erklärte, dass dies politisch von der Stadt nicht gewünscht sei. Man wolle keinen „Fasching hinter Gittern“.

Wacht schilderte, dass zu starke Einschränkungen ihr Ventil erfahrungsgemäß in Vandalismus suchen würden, und auch der Faschingsvereinsvorsitzende Stöhr befürchtet bei einem Alkoholverbot nur eine Verlagerung des Problems. Viele der Mitwirkenden könnten sich prinzipiell auch einen Ausschluss von Spirituosen am Faschingsumzug vorstellen.

Für den Fasching 2010 war man sich am Ende einig: Der wirkungsvolle Maßnahmenkatalog aus 2009 soll erneut umgesetzt werden. Rechtzeitig vor dem nächsten Fasching will man sich wieder am Runden Tisch zum Schutz der Jugendlichen zusammensetzen.

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