Kontrolleur bedroht, Staatsanwältin

Dachau - Wenn ein Angeklagter 15 Minuten zu spät zum angesetzten Termin kommt, dann macht das vor Gericht keinen guten Eindruck. Zumal, wenn die Verspätung den bereits bestehenden schlechten Eindruck noch verstärkt.

Jetzt fand die Fortsetzung einer Verhandlung vom 25. August (wir berichteten) am Amtsgericht Dachau statt. Am ersten Verhandlungstag war zwar niemand zu spät gekommen, einer der beiden angeklagten Brüder war aber wegen respektlosen Verhaltens aufgefallen.

Zwei 25-jährige Brüder aus Dachau standen wegen wiederholten Fahrens ohne gültigen Fahrschein, Beleidigung und Bedrohung vor Gericht. Das Verfahren konnte vor zwei Wochen nicht abgeschlossen werden, da der Hauptzeuge, der diensthabende Fahrkartenkontrolleur, nicht erschienen war.

Bei einer Schwarzfahrt im September vor einem Jahr eskalierte die Situation, nachdem die Brüder erwischt worden waren. Sie beleidigten den dunkelhäutigen Kontrolleur unter anderem mit Sprüchen wie: „Neger, geh zurück in dein Land“ und anderen wüsten Beschimpfungen.

Später soll Michael O. (alle Namen von der Redaktion geändert) ein Messer gezückt haben, was einen Einsatz der Bundespolizei hervorrief. Vor Gericht behauptete er, mit dem Teppichmesser lediglich seine Fingernägel gesäubert zu haben. „Eigentlich brauch’ ich das Messer nur zum Arbeiten, aber Dich würde ich abstechen“, soll der angeklagte Parkettleger allerdings dem Fahrkartenkontrolleur angedroht haben. Auch auf der Wache der Bundespolizei am Hauptbahnhof gingen die Beleidigungen weiter.

Die Zeugen bestätigten alle Vorwürfe. Die beiden geladenen Bahnkontrolleure wiesen außerdem daraufhin, zwar aufgrund ihres Jobs einiges gewohnt zu sein, ein solcher Vorfall übersteige allerdings alles vorher Dagewesene.

Eine von Amtsrichter Tobias Richter eingeräumte Möglichkeit, sich bei dem wegen der Hautfarbe beleidigten Zeugen zu entschuldigen, ließ das angeklagte Duo ungenutzt verstreichen.

Beim Plädoyer vergaß die Staatsanwältin nicht, die Uneinsichtigkeit des Angeklagten Michael O. zu erwähnen, der am ersten Verhandlungtag wiederholt gestört und dafür ein Ordnungsgeld kassiert hatte. Diesmal war es nicht viel besser, mit Lachen, abfälligem Stöhnen usw. störte Michael O. den Redefluss der Staatsanwältin ständig und musste errneut zur Ruhe ermahnt werden. Sein Bruder gab sich dagegen reuevoll und größtenteils geständig.

Die Staatsanwaltschaft forderte für Peter O. eine fünfmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 120 Sozialstunden. Für Michael O. standen sechs Monate Freiheitsstrafe sowie zusätzliche Auflagen im Raum.

Richter Tobias Bauer holte bei seiner Urteilsverkündung weit aus. Er bezeichnete die Beleidigungen als „unglaublich niederträchtig“ und zeigte sich verwundert, dass sich ausgerechnet der vorbestrafte Michael O. anmaßte, sich mit seinen rassistischen Äußerungen über den Bahnbediensteten zu stellen. Michael O. ist wegen Erschleichens von Leistungen, Betrug und des Handels mit Betäubungsmitteln aktenkundig.

„Ich verstehe nicht, was daran lustig sein soll, ich finde so etwas überhaupt nicht amüsant“, kommentierte Tobias Bauer das Grinsen des Angeklagten während des Verlesens seiner Vorstrafen.

Das Gericht verurteilte ihn zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt wurde. Sein Bruder wurde zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt, die an die „Brücke“ in Dachau gehen.

Vor der Urteilsverkündung wurde den Angeklagten wie immer die Möglichkeit zu abschließenden Worten eingeräumt. Michael O. kam zu folgender Erkenntnis: „Man kann nur daraus lernen.“ Richter Bauer äußerte angesichts des vorherigen Auftritts allerdings große Zweifel an O.s Lernfähigkeit. Er hoffe aber inständig.

Aljoscha Huber

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