Großes Interesse herrschte beim Themenabend im Thomahaus. Foto: hab

Kräutergarten vor dem Verfall bewahren

Dachau - Der Kräutergarten soll vor dem Verfall bewahrt und als Gedenkort gestaltet werden. Dafür spricht sich das Bündnis für Dachau aus.

Das Bündnis für Dachau lud zu seinem dritten Themenabend unter dem Motto ein: „Gedenkort Plantage - wie geht es weiter mit dem Kräutergarten östlich der Alten Römerstraße?“ Neben den Referenten - darunter auch die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Gabriele Hammermann - kamen über 60 Interessierte.

Prof. Karl Hönle, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Erfassung der Dachauer Zeitgeschichte, lieferte dazu 21 Roll-Up-Aufsteller der Ausstellung Kräutergarten, die im Erchana-Saal des Thomahauses aufgebaut wurden.

Als um 19.30 Uhr die Veranstaltung von Bündnis-Sprecher Mike Berwanger eröffnet wurde, war der Saal mit über 60 Gästen gut besetzt. Das Bündnis für Dachau hatte vier Referenten eingeladen. Gewohnt charmant moderierte Margot Heinze-Ehrlich vom Bündnis.

Monika Lücking (Arbeitsgemeinschaft zur Erfassung der Dachauer Zeitgeschichte) richtete den Blick auf die Entstehung der Plantage während der NS-Zeit und die damit verbundenen Gräueltaten der SS. Ein besonderes Augenmerk legte sie auf die inhaftierten Priester. Über den Fortgang des Kräutergartens nach dem Krieg konnten zwei Referenten berichten: Dass die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Dr. Gabriele Hammermann, und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Dirk Riedel Zeit gefunden hatten, ihr Wissen weiterzugeben, erwies sich als stärkster Teil des Abends.

Bild- und wortreich wusste Riedel von den diversen Um- und Neuwidmungen des Geländes von 1945 bis heute zu referieren. Nicht nur Dachau hat Probleme mit peripheren Anlagen abseits der Gedenkstätten, sondern auch andere ehemaligen KZ-Standorte wie z. B. Sachsenhausen oder Ravensbrück.

Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten hat 2013 in Dachau ein Expertensymposium stattgefunden. Hammermann stellte den soeben erschienen Tagungsband „Sanierung - Rekonstruktion - Neugestaltung“ vor.

Die Referate schloss der freie Architekt Axel Feiereisen mit seinen Vorstellungen, wie man die Reste der Gewächshäuser vor dem endgültigen Verfall schützen könnte. Er war 2011 vom Stadtrat beauftragt worden, Möglichkeiten einer vorübergehenden und günstigen Schutzkonstruktion zu finden. Feiereisen zeigte 3D-Simulationen zu Überdachungskonstruktionen, Rekonstruktionen und Anlagengestaltungen. Die Ideen wurden viel bestaunt.

Nach einer heftigen Diskussion, die von „Internationaler Gartenpflanzung“ bis zum Vorwurf reichten, die Stadt würde mit der Unterbringung von Obdachlosen Geld zum Fenster hinauswerfen, waren sich die beteiligten Entscheidungsträger zumindest soweit einig, dass bald etwas geschehen müsse.

Und eines wurde auch gleich vereinbart: Das Bündnis für Dachau wird in einem Jahr wieder zusammen mit der KZ-Gedenkstätte den möglichen Fortgang bei einem weiteren Themenabend dokumentieren.

Das Bündnis richtet den Blick weiter: Eine Erweiterung der Gedenkstätte um den Kräutergarten würde eine Veränderung des Bildes des KZ in der Bevölkerung und auch bei den Besuchern erzwingen. Es würde deutlich zeigen, dass es nicht den abgeschlossenen Raum Konzentrationslager gab, sondern ein System, das sehr verzweigt war und weit in die zivile Welt hineinreichte. Wer die wahre Dimension des KZ Dachau und seine Bedeutung für den NS-Staat ermessen wolle, müsse die Plantage einbeziehen.

In dem Bewusstsein, dass jede Herangehensweise vom Zeitgeist geprägt ist und bei jeder Art von Sanierung und Rekonstruktion auch Geschichte gestaltet wird, hält das Bündnis eine Mischung von Lernort und angemessener Nutzung der Gebäude und Freiflächen für erstrebenswert. Wichtig sei, dass eine Entscheidung bald getroffen werde, damit eine Sanierung einzelner Gebäude noch möglich ist.

An der Entscheidung über die Neugestaltung sollten die ehemaligen Häftlinge, die Gedenkstätte, Institutionen und Vereine, die Bürger und die Stadt als Eigentümer zusammenarbeiten.

dn

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