KIT leistet Erste Hilfe für die Seele

Die Krisenhelfer bitten um Hilfe

Dachau - Sie stehen rund um die Uhr bereit. An 365 Tagen im Jahr: die Mitarbeiter der Notfallseelsorge und der Kriseninterventionsteams (KIT). Ihre Aufgabe: die Betreuung von Menschen nach psychischen Notfallsituationen, etwa nach einem Unfall oder einem Suizid. Und sie brauchen dringend Verstärkung.

Ein nahe stehender Mensch stirbt plötzlich. Oder ein tragischer Unfall reißt einen Angehörigen in den Tod. Es sind Situationen wie diese, die das Leben von einer Sekunde auf die andere verändern, die die Seele eines Menschen ins Wanken bringen. Die KIT-Helfer sind für diese Menschen da.

Doch die KIT-Teams sind mehr als ausgelastet. „Um die lückenlose Betreuung weiterhin gewährleisten zu können, suchen wir neue Mitglieder, die uns aktiv und engagiert unterstützen möchten“, sagt Kim Balcke, Leiterin des KIT der Malteser.

Vor genau vier Jahren wurde das Malteser KIT Dachau zusammen mit dem BRK KIT Dachau ins Leben gerufen, um die bis dahin alleine agierende Notfallseelsorge zu entlasten. Seitdem wird die so genannte „psychosoziale Notfallversorgung“ von den drei Organisationen im Wechsel gewährleistet.

„Die Teammitglieder des Malteser KIT sind erfahrene KIT’ler, die zum Teil schon Jahre zuvor im Kriseninterventionsteam des benachbarten Landkreises FFB tätig waren“, so Balcke. Und natürlich sind auch neue Mitglieder dazugekommen. Aber Verstärkung ist nötig.

„Wir sind möglichst noch während oder unmittelbar nach dem traumatisierenden Ereignis für die Menschen da, bleiben bei ihnen, wenn Polizei und Rettungsdienst wieder fahren müssen, und bringen Struktur in die ersten kritischen Stunden“, beschreibt Kim Balcke die Arbeit der KIT-Helfer. Das KIT leistet „Erste Hilfe für die Seele“.

Meist liest oder hört man vom KIT im Zusammenhang mit relativ aufsehenerregenden Ereignissen. Die häufigsten Einsätze spielen sich jedoch im häuslichen Bereich ab, etwa wenn Angehörige eines plötzlich verstorbenen Menschen zu betreuen sind.

„Erst neulich wurden wir zu einem solchen Einsatz gerufen“, berichtet Balcke, „die Familienangehörigen des Verstorbenen, die alle innerhalb eines Ortes wohnten, hatten einen tollen Zusammenhalt und konnten sich gut gegenseitig stützen. In solchen Fällen können wir uns auch schnell wieder zurückziehen. Aber natürlich gibt es auch Ereignisse, bei denen Betroffene das Gefühl haben, diese psychisch nicht bewältigen zu können, zum Beispiel, wenn das eigene Kind stirbt.“

Einsätze wie diese sind dramatisch. Kim Balcke schildert den Fall, als ein zehnjähriges Kind nach einem Unfall schwerstverletzt mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht wird. „Die Eltern dürfen da nicht mitfliegen, und jeder kann sich vorstellen, was für ein furchtbares Gefühl es sein muss, sein Kind alleine zu lassen.“ Das KIT bringt die Eltern sofort in die Klinik und begleitet sie in diesen bangen, kritischen Stunden.

„Ein solcher Einsatz kann dann schon einmal viele Stunden dauern. In diesem Fall hat das Kind Gott sei Dank überlebt.“

Gerufen wird das KIT nur von Einsatzkräften, also Rettungsdienst, Polizei oder Feuerwehr. Die Bereitschaftszeiten sind in Zwölf-Stunden-Schichten eingeteilt, die der Krisenhelfer zuhause verbringen kann (also nicht wie beim Rettungsdienst auf einer Wache), bei einem Einsatz erfolgt die Alarmierung durch die Leitstelle über einen Piepser. Balcke: „Grundsätzlich fahren wir immer zu zweit in einen Einsatz.“

Die Ausbildung ist mehrstufig. Zunächst wird eine psychosoziale Grundausbildung absolviert. Anschließend darf man bereits hospitieren, das heißt als Beifahrer bei Einsätzen mitfahren. Wer sich dann noch sicher ist, diese Tätigkeit ausüben zu wollen, macht eine weiterführende Qualifikation zum KIT-Helfer.

Das Mindestalter ist 23 Jahre, der Wohnort muss im Landkreis Dachau liegen. „Psychische Stabilität und Belastbarkeit sowie ein stabiles soziales Umfeld, Einfühlungsvermögen und keine eigenen unverarbeiteten Traumata“ nennt Balcke die Voraussetzungen für eine Mitarbeit.

(dn)

Kontakt: Über E-Mail (krisenintervention.dah@gmail.com) oder telefonisch unter 0176/10 44 53 79.

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