+
Wohnungsleerstand wandeln: Das will die Kreis-CSU mit einer Doktorarbeit erreichen (Symbolbild).

Haushalt des Landkreises wird mit 115000 Euro belastet

„Wohnungsleerstand wandeln“: Kreisausschuss bewilligt Forschungsprojekt trotz „absurder“ Kosten

  • schließen

250 000 Euro kostet eine Doktorarbeit, die drei Jahre lang – in der Hauptsache mittels Interviews – ermitteln soll, wie leere Wohnungen im Landkreis Dachau zukünftig genutzt werden könnten. Der Kreisausschuss gab nun seine Einwilligung zu der Beteiligung an dem Forschungsprojekt, das an der TU München läuft. Der Haushalt des Kreises wird deswegen mit 115 000 Euro belastet. 10 000 Euro könnten es weniger werden, wenn die Caritas mit ins Boot geht. Den Rest der Kosten übernimmt der Freistaat.

Dachau– 250 000 Euro kostet eine Doktorarbeit, die drei Jahre lang – in der Hauptsache mittels Interviews – ermitteln soll, wie leere Wohnungen im Landkreis Dachau zukünftig genutzt werden könnten. Der Kreisausschuss gab nun seine Einwilligung zu der Beteiligung an dem Forschungsprojekt, das an der TU München läuft. Der Haushalt des Kreises wird deswegen mit 115 000 Euro belastet. 10 000 Euro könnten es weniger werden, wenn die Caritas mit ins Boot geht. Den Rest der Kosten übernimmt der Freistaat.

Bei der Doktorarbeit unter dem Titel „Wohnungsleerstand wandeln“ stehen knapp 2000 Wohnungen im Fokus. Diese Zahl errechnete die CSU-Fraktion, die die Beteiligung an dem Forschungsprojekt beantragt hatte.

Daneben erfolgte eine Besprechung der Bürgermeister aller Landkreisgemeinden zu dem Thema. Die Gemeindechefs forderten danach einstimmig, „dass nur eine flächendeckende Betrachtung für den gesamten Landkreis Sinn macht und deshalb die Finanzierung allein über den Landkreis erfolgen soll“. Und: Sollte der Kreis zustimmen, möge die Gemeindeverwaltung Hebertshausen unter der Ägide von Bürgermeister Richard Reischl (CSU) die „inhaltliche und organisatorische Abwicklung des Projekts“ übernehmen. Das wird nach dem Okay des Kreisausschusses nun geschehen.

Marese Hoffmann (Grüne) brachte zunächst nur ein Wort über die Lippen: „Absurd!“ Die TU, so die Fraktionschefin nach einer kleinen Pause, verursache Kosten, „die ich nicht nachvollziehen kann“. Sie kenne Menschen, die Dissertationen oder Habilitationen geschrieben hätten, aber „die Kosten dafür sind nicht so hoch gewesen“, meinte Hoffmann.

Neben den hohen Kosten gab es noch weitere Bedenken in der Kreisausschusssitzung. „Ich hoffe, es kommt nicht nur Papier raus“, meinte Georg Weigl (ÖDP). Franz Eichinger (Freie Wähler Landkreis) glaubt nicht daran, dass sich viele Wohnungseigentümer von den TU-Mitarbeitern umstimmen lassen. Gerade ältere Hausbesitzer „wollen ihren Lebensabend genießen, und mit einer Familie im ersten Stock ist das nicht so gut“. Zudem, so Eichinger weiter, „haben viele die Befürchtung, dass sie die Leute nicht mehr rausbekommen“.

Richard Reischl erklärt die hohen Kosten der Doktorarbeit damit, dass an der TU München ein wissenschaftlicher Stab von sieben bis zwölf Mitarbeitern drei Jahre lang am Werk seien. Und er beruhigte skeptische Wohnungseigentümer damit, dass sich die Gemeinden um die Vermietung kümmern könnten. Sollten bauliche Veränderungen an den Wohnungen vonnöten sein, könnte laut Reischl das Landratsamt Beratungen leisten oder Handwerksfirmen vermitteln.

Am Ende stimmten alle Kreisausschussmitglieder außer Eichinger und dessen Parteikollege Michael Reindl für die Beteiligung an der Doktorarbeit – auch Hoffmann, Forster und Dachaus OB Florian Hartmann. Letzterer, obwohl „ich nicht so ganz überzeugt bin“.

Kommentar:

Die Doktoranden werden die von der CSU beschworenen „Lösungsansätze und Empfehlungen“ (Wolfgang Offenbeck) liefern. Aber die Gedanken der Hauseigentümer können sie nicht erforschen. Ob diese am Ende bereit sind zu vermieten, ist völlig ungewiss. Dafür in Zeiten von Großprojekten (zwei Gymnasien, neues Landratsamt) satte 115 000 Euro auszugeben, ohne die laut Marese Hoffmann „absurden“ Kosten genau zu hinterfragen, erscheint nicht klug, zumal von den 250 000 Euro laut Beschlussvorlage alleine 234 500 Euro Personalkosten sind. Es stellt sich, von der Höhe der Honorare abgesehen, auch noch die Frage, ob es wirklich sieben bis zwölf Mitarbeiter (Reischl) für das Projekt braucht? Jede im Kreistag vertretene Fraktion ruft derzeit laut nach Sparsamkeit, doch beim Votum für die TU gingen fast alle Hände nach oben.

Auch interessant

Kommentare