Kunst im Quadrat: Inge Jakobsen mit zwei Bildern, die ihre Lieblingsform zeigen. foto: reg

Leben im Quadrat

Dachau - Für Inge Jakobsen steht eines im Vordergrund, etwas, das sie beim Malen immer wieder einholt, eine Figur, die in verschiedenen Farben, unterschiedlichen Umgebungen, jedes Mal auf Neue entsteht: das Quadrat.

Seit ihren Anfängen in der Malerei in den 80er Jahren ist sie von der mathematischen Figur angetan. „Natürlich habe ich nicht schon immer Quadrate gemalt. Das ist aus der Arbeit heraus entstanden“, erzählt sie, während sie durch eines ihrer vielen Skizzenbücher blättert.

Ihre derzeitige Ausstellung „Malerei im Quadrat“, die noch bis zum 25. Oktober im Dachauer Wasserturm zu sehen ist, widmet sich ganz ihren Werken rund ums Viereck. „Es war mir wichtig, auch einige meiner ersten Skizzen aufzuhängen. Hier sind die Arbeiten noch weit weg von konkreter Malerei.“ Zu sehen sind da die Schemen eines weiblichen Körpers, eine Aktskizze. Doch die strengen Linien, die den Körper umranden, sind kantig und lassen bereits auf Inge Jakobsens eigentliche Liebe hindeuten: Die Liebe zum Quadrat.

„Es ist ein langjähriger Prozess. Oft weiß ich selbst nicht genau, wie das Bild am Ende aussehen wird.“ Denn Inge Jakobsen rechnet nicht. „Ich setze das Quadrat nach Gefühl etwa in die Mitte des Bildes. Lasse es je nach meiner Intuition mal nach rechts oder links kippen.“ Obwohl sich all ihre Werke mit dem gleichschenkligen Viereck beschäftigen, sind sie alle in ihrer Erscheinung unterschiedlich: ob in grellen, leuchtenden Farben, oder in den Grundfarben blau, gelb und rot übereinander gemalt, bis sie grau erscheinen.

Auch ihren Malstil hat Inge Jakobsen in all den Jahren verfeinert: „Ziel meiner Bilder war es, neben den klaren Strukturen und den harten Linien des Quadrats gleichzeitig meinen Gemälden malerische Lebendigkeit einzuhauchen.“ So lösen sich die strengen Kanten in einigen ihrer Werke auf, indem sie mit dem Hintergrund verschmelzen. Wieder andere Quadrate wirken durch die Maltechnik sehr plastisch, mit Wischtechnik entstehen in den Vierecken selbst Muster, die sich dann wiederum von der einfarbigen Hintergrundfarbe ablösen.

Extra für den Wasserturm hat Inge Jakobsen noch einige kleine, einfarbige Quadrate angefertigt, die im Treppenhaus hängen: „Es war mir wichtig, das Treppenhaus in meine Ausstellung zu integrieren.“ Einige ihrer Werke tragen einen Namen, wie zum Beispiel das in gelbgoldenen Tönen gehaltene Quadrat im Treppenhaus: „Buddhistisches Quadrat“. Andere wiederum stehen unter einem Arbeitstitel oder tragen gar keinen Titel.

Und so sind Jakobsens Quadrate gleich - und doch in ihrer Erscheinung so unterschiedlich.

(Regina Peter)

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