Endlich sind sie zu Hause: Leon und Luis mit ihrem Vater beim Bauklotz-Turmbau. cla

Leon und Luis sind wieder zu Hause

Egenburg - Den beiden an Leukämie erkrankten Zwillingen Leon und Luis aus Egenburg geht es wieder besser: Sie sind endlich wieder daheim in Egenburg.

Die akute Chemo-Therapie ist abgeschlossen, jetzt bekommen die beiden Buben eine Dauertherapie. Dabei müssen sie zwar immer noch täglich Chemo-Medikamente nehmen - doch die langen Krankenhausaufenthalte in der Schwabinger Kinderklinik sind hoffentlich vorbei. Endlich.

Nach der Blutkrebs-Diagnose im vergangenen Sommer begann eine schwere Zeit für die Weikenstorfers aus Egenburg. Mit vielen gesundheitlichen Rückschlägen. Doch: Ein Lichtblick waren die vielen Hilfsangebote von der Familie, von den Freunden, aber auch von völlig Unbekannten. „Es war unglaublich“, sagt Sabine Weikenstorfer. „wir sind so dankbar für alles.“ Eine Elterninitiative für krebskranke Kinder hat der Familie eine Wohnung in Schwabing zur Verfügung gestellt, das andauernde Pendeln zwischen Egenburg und dem Krankenhaus wäre nicht möglich gewesen.

Die Zeit war auch so stressig genug. Sabine Weikenstorfer und ihr Mann Helmut mussten aufhören zu arbeiten, um sich rund um die Uhr um ihre beiden kranken Kinder kümmern zu können. Das riss natürlich ein Loch in die Haushaltskasse. „Da haben uns die vielen Spender sehr geholfen“, betont sie. Auch die Leser der Heimatzeitung unterstützen durch die DN-Spendenaktion „Kette der helfenden Hände“ die Familie. Dazu kamen viele weitere Initiativen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Es gab Benefizkonzerte, viele Vereine und Geschäfte im Landkreis sammelten bei Veranstaltungen Geld, Schüler des Indersdorfer Gymnasiums spendeten 2430 Euro von ihrer Jahrgangsstufenkasse und Maxi Wittek, Fußballer beim TSV 1860 München, versteigerte sein Trikot zugunsten der Zwillinge. Außerdem gingen Sachspenden ein, zum Beispiel Kleidung für die Buben, Drogerie-Gutscheine und sogar eine neue Wandbemalung für das Kinderzimmer. „Wir hätten nie damit gerechnet, was alles kommt“, meint Sabine Weikenstorfer.

Über 1600 Leute verfolgen das Schicksal der beiden Buben im sozialen Netzwerk Facebook, viele meldeten sich mit guten Wünschen, Briefen und Mutmacher-Nachrichten bei der Familie. „Zwischendrin, wenn wir total am Boden waren, hat uns das immer wieder aufgebaut“, erzählt die Mutter. Die schlimmste Zeit ist jetzt erst einmal überstanden. Doch: „Jetzt müssen wir erst mal alles verarbeiten“, erklärt sie. Einfach so in das normale Leben zurückkehren, das geht nicht. Die Eltern müssen immer noch vorsichtig sein, dass den Zwillingen nichts passiert. Ihr Immunsystem ist angeschlagen, eine Kinderkrankheit könnte lebensgefährlich werden, zu viel Sonne verträgt sich mit der Chemotherapie nicht. „Wir müssen aufpassen, dass wir keinen Krankenhausaufenthalt provozieren“, sagt Sabine Weikenstorfer.

Die Kinderklinik war in den letzten Monaten fast schon das Zuhause von Leon und Luis. „Im Krankenhaus zu sein ist schon ganz normal für unsere Kinder“, erzählt der Vater Helmut Weikenstorfer. „Sie kennen es gar nicht anders.“ Dafür ist ihnen ein alltägliches Kinderleben fremd. Tiere, Obst wie Weintrauben oder Erdbeeren, im Garten toben - all das ist neu für die beiden. „Sie müssen viel aufholen“, sagt Sabine Weikenstorfer, „was für andere Kinder in dem Alter normal ist, ist für unsere ganz Besonders.“

Zum Beispiel der Rasenmäher von Vater Helmut Weikenstorfer. Als Leon und Luis den zum ersten Mal gesehen haben, war ihnen das gar nicht geheuer. „Sie haben zuerst richtig Angst gehabt“, erzählt Sabine Weikenstorfer. Die ist inzwischen längst verflogen, jetzt erzählen sie ganz stolz von dem faszinierenden Gerät.

Leon und Luis sind aufgeweckt und neugierig darauf, eine neue, faszinierende Welt zu entdecken. Endlich können sie wieder den Kletterturm hochkraxeln, mit dem Dreirad umher düsen oder in der Badewanne planschen. Die beiden sind zwei fröhliche Lausbuben - und in eineinhalb Jahren, wenn die Dauertherapie zu Ende ist, hoffentlich auch wieder gesund. Bis jetzt sind die Ärzte jedenfalls sehr zufrieden mit ihnen.

(cla)

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