Hier, in seinem Jagdzimmer, feiert Josef Nauderer seinen heutigen Geburtstag. Foto: flg

Der letzte Bürgermeister von Pellheim

Pellheim - In Assenhausen geboren, dann nach Pellheim gezogen und heute oft im Urlaub in einem kleinen Dorf in Frankreich. Josef Nauderer wird am 30. Oktober 75 Jahre alt.

„Ich kann nicht jammern“, beschreibt Josef Nauderer seine Lebenssituation kurz und bündig. Und in der Tat sieht der auch im Herbst noch leicht gebräunte Mann jünger aus als 75. Das mag vielleicht daran liegen, dass Josef Nauderer in seinem Leben viel gesunde Landluft geatmet hat – einen Großteil davon in Pellheim.

In die Dorfgeschichte ist Josef Nauderer als der letzte Bürgermeister von Pellheim eingegangen. Von 1966 bis 1972 war Nauderer Gemeindeoberhaupt. „Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich Nauderer. Und es war eine Zeit, in der es galt, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Die Kernfrage damals: Was soll mit Pellheim in Zukunft geschehen?

„Dass Gemeinden mit 500 oder 600 Einwohnern keine Zukunft mehr haben, war klar“, sagt Josef Nauderer rückblickend. Also trieb der Bürgermeister eine Eingemeindung in die Stadt Dachau voran, obwohl Landratsamt und Staatsregierung eine Zusammenlegung mit Hebertshausen favorisiert hatten.

Nauderer schaffte es, seine Gemeinderäte und Bürger vom Beitritt zu Dachau zu überzeugen. Nauderer: „Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu, und bei einer Volksabstimmung waren nur vier Bürger dagegen.“ Also wurde Pellheim ein Teil Dachaus. „Und wir sind bis jetzt nicht schlecht damit gefahren“, bilanziert Nauderer, für den die Eingemeindung auch persönliche Folgen hatte: Er war auf einmal nicht mehr Bürgermeister.

Politisch aktiv blieb Josef Nauderer aber weiterhin. Bis ins Jahr 1990 saß er für die CSU im Stadtrat, dann kehrte er der Politik den Rücken. „Es war zwar eine schöne Zeit, aber es wurde auch immer unpersönlicher und unmenschlicher in der Politik. Das war nicht mehr meine Welt, also habe ich die Bremse reingehaut und gesagt: Es reicht.“ (flg)

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