Maximilian Reimoser ist Kreisbrandmeister. kn

"Lieber habe ich zu viele Kräfte vor Ort"

Dachau - Bei einem Unfall mit hochgiftigem Chlorgas im Wellnessbad Blubb in Markt Indersdorf waren am Samstag 145 Einsatzkräfte vor Ort. 16 Menschen mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus. Mittlerweile konnten alle die Klinik wieder verlassen. Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser (26) erklärt, wie so ein Großeinsatz koordiniert wird, welche Spezialeinheit dafür nötig ist, und wieso er lieber zu viele Kräfte als zu wenige vor Ort hat.

-Die Notrufleitstelle erhält einen Anruf: Gasalarm - wie wird so ein Einsatz koordiniert?

Die Leitstelle sammelt aufgrund des Notfallbildes (hier Chlorgasaustritt) Materialien und Kräfte zusammen. Das sind immer erst die Ortsfeuerwehr und die umliegenden Feuerwehren. Bei einem Sonderfall wie am Samstag kommt noch unsere neue Spezialeinheit dazu: Der Gefahrgutzug.

-Was ist das Besondere an dem Gefahrgutzug?

Das ist die Einheit des Landkreises für Unfälle, bei denen Gefahrstoffe austreten: Strahlen, giftige Gase oder gefährliche Chemikalien. Die Männer wurden in den vergangenen zwei Jahren für Einsätze in Chemikalienschutzanzügen geschult. Wenn so ein Unfall passiert, treffen alle Kräfte aus dem Landkreis zusammen.

-Warum sind bei einem Einsatz wie am Samstag so viele Einsatzkräfte nötig?

Nach dem ersten Schadensbild war es vollkommen richtig, so viele Kräfte zu mobilisieren. Anfangs war weder klar, wie viele Menschen das Gas eingeatmet hatten, noch, wo es sich überall ausgebreitet hat. Oberhalb des Schwimmbads befindet sich ein Betreutes Wohnen für Senioren und daneben ein Café. Hätte sich das Gas so weit verbreitet, hätte es schlagartig mehrere Opfer gegeben. Bei Evakuierungen hätten wir alle Kräfte gebraucht.

-Wussten Sie zu dem Zeitpunkt schon, woher das Gas kam?

Wir wussten weder, welche Menge ausgetreten ist, noch, wo sie ausgetreten ist. Auch deshalb ist es wichtig, mehrere Männer vor Ort zu haben.

-Gehört einer Spezialeinheit nicht nur ein kleiner Teil Männer an?

Das ist viel komplizierter als man denkt. Bei jedem Einsatz ist eine doppelte Besetzung nötig, und ein Team, das die Männer ausrüstet, einkleidet und reinigt. Wenn zum Beispiel sieben Männer in das Schwimmbad gehen, müssen genauso viele vorbereitet vor der Tür stehen.

-Wieso ist das so wichtig?

Weil wir immer ein Sicherungsteam brauchen. Falls den Männern drinnen etwas passiert, muss das zweite Team helfen. Aber nur unter den speziellen Schutzanzügen ist das gefahrlos möglich. Die Anzüge sind gasdicht und säurebeständig.

- Kann es passieren, dass bei einem Einsatz zu viele Feuerwehrler vor Ort sind?

Ja. Denn die Kräfte werden aufgrund des ersten Schadensbildes losgeschickt. Die Leitstelle muss innerhalb einer Minute entscheiden, wie viele Feuerwehrler gebraucht werden. Wenn die Lage vor Ort gar nicht so schlimm ist, braucht man eben nicht alle Kräfte. Lieber habe ich aber zu viele Kräfte vor Ort. Denn nachalarmieren braucht viel Zeit, und die kann jemandem das Leben kosten.

Das Gespräch führte

Christiane Breitenberger

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