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Luxusschuppen für Drahtesel

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Bald sind sie alle aufgeräumt: An der Bahnhofs-Ostseite soll ein Radhaus entstehen. bvl
Bald sind sie alle aufgeräumt: An der Bahnhofs-Ostseite soll ein Radhaus entstehen. bvl

Dachau - Den Fahrrädern am Dachauer Bahnhof geht es nicht sonderlich gut - bis jetzt. Denn nun hat sich der Bauausschuss dazu entschlossen, an der Ostseite ein 1,6-Millionen Euro teures Luxus-Radhaus zu bauen.

Derzeit gibt es rund 1100 Fahrrad-Stellplätze rund um den Dachauer Bahnhof, verteilt auf vier Plätze: nördlich des Hauptgebäudes, im Unterstand auf dem Aurelis-Grundstück, und auf zwei Flächen östlich der Bahn. Schön ist keine dieser Abstellflächen, sicher sicherlich auch nicht, und teilweise sind die Räder nicht einmal vor Regen geschützt. Das alles soll sich nun ändern: mit einer Radbox. Nein, keine wackelige Kiste, sondern ein 1,6-Millionen-Euro-Gebäude, 70 Meter lang und 12 Meter breit, mit Stellflächen für insgesamt 1240 Räder, die südlich vom Ost-Zugang des Bahnhofs gebaut werden soll.

Auf zwei Stockwerken soll für den anspruchsvollen Radler all das geboten werden, was er sich für sein Lieblings-Fortbewegungsmittel so erträumt: Doppelstock-Parkplätze aus Stahl, in denen man zwei Fahrräder einfach übereinander parken kann; Energie-Säulen, in denen E-Bikes geladen werden können; und Premium-Boxen, in denen auch die teuersten Luxus-Räder sicher im Safe verstaut sind. Eine öffentliche WC-Anlage soll es dazu geben, hübsch soll es auch noch aussehen, mit einer Hülle aus Corten-Stahlblechen in Form stilisierter Fahrradreifen, somit sind die Besucher auch selbstverständlich vor Regen geschützt, und zudem auch noch vor Verbrechern, denn sogar eine Videoüberwachung soll dort installiert werden. Ergo: Die Radbox wird ein Ort, an dem sich Rad und Radfahrer wohlfühlen sollen.

Das ist die absolute „Maximallösung“, gibt auch Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) zu - das Stadtbauamt hatte zusätzlich drei andere Varianten vorgestellt, von denen die günstigste etwa 900 000 Euro billiger gekommen wäre. „Selten, aber doch, bitte ich Sie, diese durchzusetzen“, sagte Koch in der Sitzung des Bauausschusses. „Wir wollen dort ein vernünftiges Angebot machen.“ Doch Koch musste gar nicht bitten: In diesem Punkt waren sich die Mitglieder des Bauausschusses schnell einig. Schließlich haben die Radfahrer lange genug darauf gewartet: Denn die Grundstücksverhandlungen mit der Bahn hatten sich hingezogen.

Nur wegen der Toiletten gab es noch eine kurze Diskussion zwischen ÜB und CSU. Es sei „unzumutbar für Frauen“, in der Nacht „hinten rausgehen zu müssen“, kritisierte der ÜBler Helmut Höfelmaier, der CSUler Erwin Zehrer sagte dagegen, „die WC-Anlage ist unstrittig, die brauchen wir“. Diese Diskrepanz konnte aber schnell beigelegt werden, indem sich alle Mitglieder darauf einigten, dass sie beim Bahnhofsumbau auf der West-Seite - irgendwann in der Zukunft - ebenfalls öffentliche Toiletten einplanen wollen.

Nun soll also die Radbox-Variante weiter ausgearbeitet werden. Und zwar mitsamt des neuen Vorschlags von Kai Kühnel (Bündnis), vielleicht das obere Stockwerk oder auch das ganze Radhaus in Richtung Norden zu verschieben - denn mittlerweile habe die Stadt auch „Zugriff zu großen Teilen dieses Grundstücks“, bestätigte Bauamtsleiter Michael Simon. Aber immer mit Rücksicht auf eine Sache: Der Platz für ein Parkhaus für Autos, das den Politikern schon seit Jahren vorschwebt, soll weiterhin auf jeden Fall frei bleiben.

Von Nina Praun

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