Mit Kommandos von Tanzmeister Erich Müller tanzten sich die Besucher im prunkvollen Renaissancesaal zurück ins 19. Jahrhundert. foto: Reg

Märchenhafte Zeitreise

Dachau - Das Kleid ein wenig nach oben gehalten, dann elegant und anmutig die Treppe des Dachauer Schlosses nach oben. Wie echte Prinzessinnen, Adelige, Edelmänner.

Die Dachauer Redoute zauberte etwa 250 Besucher zurück ins 19. Jahrhundert. Prunkvoll und majestätisch mutete der Renaissance-Saal des Dachauer Schlosses an. Ob mit Frack und Zylinder oder in wallenden Sissi-Kleid: Zur Musik von Richard Strauß tänzelten die Paare leichtfüßig über die Tanzfläche und gaben beim Walzer, der Polka oder einem rasanten Galopp ihr Bestes. Anna-Maria Bogner und Richard Wiedl sangen wunderschöne Operetten - ein Genuss für die Ohren und eine kurze Verschnaufpause, die den Tanzwütigen sehr gelegen kam. Doch schon bald wirbelten die Männer ihre Damen wieder im Kreis, tanzten zu den grandiosen Klängen des Salonorchesters Karl Edelmann.

Dachauer Redoute - Bilder

Dachauer Redoute - Bilder

Schon bei der Festpolonaise zum Auftakt saß niemand mehr an seinem Platz: Bis in die Empfangshalle nutzen die Damen und Herren aus dem früheren Jahrhundert den Platz. Höhepunkt war der Münchner Français: Mit Anweisungen von Tanzmeister Erich Müller machten sich die Paare Komplimente, tauschten die Plätze, wirbelten umher. Öfter mal stieg der eine dem anderen auf den Fuß, viel zu viele hatten sich auf die Tanzfläche gedrängt. Das machte aber nichts: Die Redoute-Besucher lachten herzhaft, genossen den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Tanzten und kokettierten.

Um Mitternacht freuten sich die hungrigen Tänzer auf frische Weißwürste und Brezen. Beides war allerdings bald aus. Alternativ gab es Wiener Würstl und Semmeln. Landrat Stefan Löwl, der mit seiner Frau fleißig mittanzte, feierte in seinen Geburtstag hinein - und nahm um Mitternacht Glückwünsche entgegen.

Wer danach noch weitertanzte, konnte vom Tanz nicht genug kriegen - oder hatte seine Liebe noch nicht gefunden: „Früher waren solche Tanzabende die einzige Möglichkeit für junge Frauen und Männer, sich etwas näher zu kommen“, weiß Marianne Wallach (siehe auch Umfrage Seite 3). Sie kam gemeinsam mit ihrer Tanzgruppe aus München im Dachauer Schloss. „Was heute komisch aussieht, dass jedes dritte Pärchen in einer Reihe für ein paar Takte nicht mittanzt, war damals gewollt: So konnten sich die jungen Verliebten für wenige Momente unterhalten.“ So streng nahm es an diesem Redoute-Abend wohl niemand mehr.

Regina Peter

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