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Wenigstens konnten sie mit dem Beutestück posieren: Die Dachauer THW-ler sind beim Maibaumdiebstahl in Geiselbullach gescheitert.

Zu lang: Darum scheiterte die Operation "Junistrauch"

Dachau/Geiselbullach - Eigentlich wollten die Dachauer THWler den Olchinger Maibaum klauen - und hatten alles generalstabsmäßig geplant. Am Ende konnten sie nur eine Nachricht hinterlassen.

„Alles war generalstabsmäßig geplant“, versichert Pressesprecher Sven Langer. Aber das Beutestück war einfach zu lang. „Wir haben die Kurve nicht gekriegt“, so Langer. Das Dachauer THW ist also gescheitert mit seiner Operation „Junistrauch“.

Mit 40 Männern und Frauen machte sich das THW am späten Montagabend auf den Weg nach Geiselbullach, um dort den in einer Halle untergebrachten Maibaum zu mopsen. Um 1.15 Uhr mussten die Dachauer Diebe ohne Baum abziehen. Zuvor verewigten die THW-ler ihren Spruch auf dem 32 Meter langen Traditionsstangerl, wenngleich mit ein paar orthographischen Fehlgriffen.

Ein offenes Fenster hatte den Weg in die Halle leicht gemacht, mutmaßt man. Warum es offenstand, darüber rätseln die Mitglieder der Geiselbullacher Feuerwehr, des TSV Geiselbullach und des Schützenvereins Gut Ziel, die den Baum am 1. Mai gemeinsam aufstellen wollen. Doch dann scheiterten die Maibaumdiebe an einigen wohl unbewusst scharf kalkulierten Winkelzügen der Geiselbullacher: Und, wie auf dem Spruch zu lesen ist, auch an deren Parkkünsten. Bulldogs und Maschinen versperrten den Weg zum Ausgang, zudem stand der Zugwagen für den Baum separat, quasi unbewusst versteckt, in der Halle herum. Den Wagen fanden die Dachauer, obwohl in der Finsternis nur mit zwei Taschenlampen operiert wurde. Der Baum wurde dann auch transportbereit gemacht. „Wir haben es aber nur bis zum Tor geschafft“, berichtet Sven Langer. „Ihn aber um die Kurve nach draußen zu bekommen, war unmöglich.“

Dabei hatten sie sich doch so akribisch auf ihren Fischzug vorbereitet, die Langfinger des Technischen Hilfswerks. Schon seit ein paar Wochen wurde das Terrain ausspioniert, so Langer, über Google-Maps wurden Anfahrts- und Fluchtwege ausgewählt und festgelegt. Obendrein bildete das THW Teams mit genau zugeordneten Aufgaben. Wer so plant, der darf dem Vorhaben getrost einen Namen verpassen. Langer: „Wir nannten es Operation Junistrauch!“

Robert Maier ist stellvertretender Olchinger Bürgermeister. Aber auch Vereinschef der Geislbullacher Feuerwehr. „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, sagt er. „Zum einen stinkt’s mir unbandig, zum anderen bin ich froh, dass er noch da ist.“ Wie es zu der bedauerlichen Wachlücke kommen konnte, versteht er nämlich nicht. Das Wachhütterl im Inneren der Halle, in der der 32 Meter lange und fast zwei Tonnen schwere Fichtenstamm lagert und seiner Bestimmung entgegenharrt, ist mit Heizstrahlern, einer Kochplatte und natürlich mit den nötigen Durststillern bestens ausgestattet und der Innenraum sogar mit Teppichen verkleidet. Nur war kein Wachmann drin, als das THW aus dem Nachbarkreis anrückte. Meier selbst hat eine gute Ausrede für seine Absence parat: „Ich musste um 19 Uhr zu einer Fraktionssitzung.” Aber alle anderen?

Die Geiselbullacher können sich immerhin die teure Auslöse sparen: „Rund 300 Liter Bier und 100 Brotzeiten wären schon fällig geworden”, sagt Meier.

Auf alle Fälle sind sie jetzt gewarnt und in Habacht-Stellung. Auch nachts. „Ab sofort wird es keine Nachlässigkeiten bei der Wache mehr geben”, verspricht Organisator Walter Reil von den Maibaumfreunden.

Dass das Dachauer THW einen zweiten Versuch startet, ist ohnehin nicht zu erwarten. Das bedeutet aber nicht, dass Sven Langer und seine Kameraden nicht über eine weitere Operation nachdenken würden (mögliche Decknamen: Juliblume, Oktobergras oder Aprilunkraut). Details rückt der THW-Sprecher aber nicht heraus, Langer hält's lieber mit Kaiser Franz : „Schau ma mal...!“

Thomas Leichsenring

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