„TTT“ heißt Lüpertz’ Band: Warum, das weiß der gefeierte Künstler selbst nicht. Bei der Vernissage setzte er sich an den Flügel. foto: san

Der Künstler Markus Lüpertz

Der Mann der vielen Talente

Dachau - Der Mann gehört zur Crème de la Crème der deutschen Kunstszene - ist als Maler, Grafiker und Bildhauer gefeiert. Aber Markus Lüpertz kann noch mehr.

Bei der Vernissage mit Konzert am Samstag hat Professor Markus Lüpertz viele Facetten seines künstlerischen Werks präsentiert. Die Besucher konnten nicht nur diverse Gemälde, Zeichnungen und Bildhauereien des Künstlers bewundern, sondern bekamen auch fast eine volle Stunde Jazz-Improvisation von Lüpertz mit der Band „TTT“ zu hören.

Die Veranstaltung wurde vom Förderverein Dachauer Wasserturm organisiert und fand im Rübsamen-Tiefgeschoss statt, weil dort mehr Platz für die Exponate und das Konzert vorhanden ist. Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. September.

Bürgermeister Kai Kühnel sagte, die Ausstellung sei „von herausragender Bedeutung für die Stadt Dachau“. Er bezeichnete Markus Lüpertz als „einen der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart“, der „Impulse der zeitgenössischen Kunst“ bringen sollte.

Der international erfolgreiche Neo-Expressionist, geboren 1941 im heutigen Liberec, malt sowohl Tiere und Menschen als auch Häuser, Gegenstände oder Abstraktes. Die Bilder sind mal leuchtend bunt, mal schwarz und weiß oder ganz in Brauntönen gehalten, die Titel lauten beispielsweise „Tiger“ oder „Halbzeit“. Allen Gemälden gemein ist jedoch, dass sie den Betrachter ansprechen und zum längeren Ansehen bewegen. Die Bildsprache von Markus Lüpertz schreckt nicht vor kräftigen Linien oder Farben zurück.

„Die Ausstellung hier hat eine Verspieltheit, die mir Spaß macht“, sagte Lüpertz. Ein Motiv, das sich besonders häufig auf den Exponaten findet, sind Musiker. Laut Markus Lüpertz handelt es sich dabei meist um die Mitglieder der Band „TTT“, mit denen er seit 30 Jahren musiziert. Die Bedeutung des Namens der Band ist übrigens selbst Lüpertz ein Rätsel.

Das Bild „Jazz Rally“ zeigt beispielsweise einen Mann mit Brille und gelbem Anzug, der auf einem Saxophon spielt. Im Hintergrund ist ein Pianist zu sehen, dessen Hautfarbe ganz in einem kräftigen Blau gehalten ist. Ob es nun an den beiden ungewöhnlichen Farben, Gelb und Blau als einzige Akzente, oder an der ausgefallen Komposition des Gemäldes liegt, „Jazz Rally“ ist einer der vielen Blickfänge der Ausstellung.

Lüpertz’ Skulpturen sind ebenfalls oft bunt gestaltet und stellen zum Beispiel die Bremer Stadtmusikanten oder einen grün-rot gekleideten Harlekin dar.

Auf das musikalische Schaffen des Malers und Bildhauers waren offenbar viele Dachauer neugierig. Denn beim Beginn des Jazz-Konzertes musste sich die Mehrheit der rund 400 Zuhörer mit einem Stehplatz begnügen.

Wer sich Lüpertz als schrillen Paradiesvogel vorgestellt hatte, wurde von dem ruhigen, dunkel gekleideten Mann mit Glatze und weißen Spitzbart sicher überrascht. „Dachau ist eine Stadt mit einer Geschichte, eine Stadt, die mich neugierig macht“, sagte der Künstler. „Sie hat etwas von einem Dorf, aber auch von einer Großstadt.“

Für die anschließende Improvisation kündigte er einen „Konflikt, eine Auseinandersetzung“ an und setzte sich an den Flügel. Lüpertz gab sich voll und ganz der Musik hin, seinem musikalischen Aufseufzen schlossen sich erst Wolfgang Lackerschmid an der Marimba, dann Sam Dühsler mit dem Schlagzeug und Frank Wollny mit dem E-Bass an. Ryan Carniaux und Manfred Schoof an den Trompeten sowie Gerd Dudek mit dem Saxophon wetteiferten bald mit dem Klavier um die musikalische Führung. Ihre Melodien umspielten sich und bekämpften einander und verschmolzen zu einem Strudel der Stimmen, dessen Klang sich auf den Bildern von Lüpertz wiederfindet. Die Musik des Neo-Expressionisten stellt keinen sanften Wohlklang dar, sondern fordert drängend die Aufmerksamkeit der Besucher. Die Musiker hörten zwar beim Improvisieren aufeinander und fanden manchmal eine gemeinsame Sprache, wichen aber auch nicht von ihrer eigenen Stimme ab und warfen sich auf diese Weise Klänge und Blicke zu.

„Ich spiele seit über 30 Jahren mit ‚TTT’ zusammen, da kann man nicht mehr wirklich von Improvisation sprechen“, erklärte Lüpertz. „Man trifft sich, und das ist das, was Spaß macht.“ Nach virtuosen Soli und gebrochenen musikalischen Grenzen, nach Dissonanzen und extravaganten Rhythmen, leidenschaftlichen Höhe- und entspannten Ruhepunkten spendete das begeisterte Publikum großen Applaus.

Der vielseitige Künstler selbst blieb hinterher ganz bescheiden: „Die Musik ist eine Variante meiner Kunst, es ist eine Atmosphäre und ein Rahmen.“ Angesichts dieser Vielfalt an Varianten stellt sich natürlich die Frage, welche Form der Kunst Lüpertz die liebste ist. „Das wechselt täglich. Stündlich. Sekündlich“, schmunzelt er.

Susanna Morper

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