Ruft seine Anweisungen bald den Nationalspielern zu: Matthias Zollner. foto: daniela bartels

Matthias Zollner lebt seinen Traum

Dachau - Ab nächster Woche tanzen die deutschen Basketball-Nationalspieler im wahrsten Sinne des Wortes nach seiner Pfeife. Der 31-jährige Matthias Zollner ist frischgebackener Assistenz-Trainer von Svetislav Pesic, dem neuen Bundestrainer. Zollner lebt seinen Traum.

Dass Matthias Zollner beim ersten Lehrgang der deutschen Basketball-Nationalmannschaft im neu gebildeten Trainerstab dabei sein würde, ist für ihn selbst eigentlich gar keine große Sensation. Vielmehr ist es die mehr oder weniger logische Konsequenz einer Entwicklung.

Denn über seinen Arbeitgeber, den europäischen Basketball-Verband FIBA, ist Zollner bestens vernetzt. Der A-Lizenz-Inhaber, der in seiner Heimatstadt Dachau die Trainerkarriere gestartet hat (siehe Kasten) und hier auch nach wie vor lebt, hat „keine Sekunde gezögert“, als sich die Möglichkeit ergab, für Pesic zu arbeiten: „Die Nationalmannschaft ist doch der Traum jedes Basketballers und Trainers. Ich freue mich riesig drauf, auf höchstem Niveau arbeiten und lernen zu dürfen.“

Zunächst einmal auf drei Monate ist der Vertrag mit dem Deutschen Basketball Bund befristet. Danach wird neu verhandelt, ob die Zusammenarbeit mit dem „besten Trainer Europas“, wie Matthias Zollner Svetislav Pesic nennt, fortgeführt wird. Der neue Nationaltrainer, der Dirk Bauermann beerbt hat, steht ja für den größten Erfolg des deutschen Basketballs: 1993 hat er in gleicher Funktion mit der Generation Detlef Schrempf und Co. in München sensationell den Europameistertitel geholt - der bis zum heutigen Tage einzige internationale Titel einer deutschen Basketball-Nationalmannschaft.

Der heute 62-Jährige feierte schon als Spieler den Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Kein Trainer in Europa hat wohl mehr Titel gesammelt. Mit dem jugoslawischen Nationalteam wurde er Welt- und Europameister, mit Vereinsmannschaften wie Alba Berlin (Korac-Cup) oder dem FC Barcelona (Euroleague) feierte er weitere europäische und unzählige nationale Meisterschaften.

Matthias Zollner hat die Verbindung mit Pesic über die FIBA geknüpft. Der Serbe ist Mentor eines internationalen Programms für Trainerausbildung, das unter anderem Matthias Zollner betreute. Der Dachauer arbeitete hier bisher im Coaching Department, oganisierte Fortbildungen in Deutschland und Europa.

Der Kontakt mit Svetislav Pesic war zwangsläufig, „da tauscht man dann natürlich auch immer wieder seine Basketballphilosophien aus“, sagt der Dachauer. Als Pesic 2010 den ULEB-Cup-Gewinner Valencia übernahm, hospitierte Zollner zwei Wochen bei seinem großen Vorbild Pesic in Spanien.

So kamen sich die beiden näher. Die Chemie stimmte, auch inhaltlich gab es Übereinstimmung. Als dann Pesic vergangenes Jahr für die Bauermann-Nachfolge ins Gespräch kam, war auch Zollner schnell Wunschkandidat als Assistenz-Trainer. „Also habe ich mich beworben und schon hoffen dürfen, dass es klappt.“

Es klappte. Seit nun die Zusammenarbeit für die deutschen Nationalfarben besiegelt ist, haben sich Zollner und Pesic noch nicht wieder gesehen. Denn Pesic ist gerade in den jugoslawischen Playoffs engagiert, spielt mit Roter Stern Belgrad um die Meisterschaft im Derby gegen Partizan.

Am kommenden Dienstag kommt man also im Bundesleistungszentrum Kienbaum in Berlin zusammen. „Ein paar Trainingseinheiten“ werde er halten, erwartet Zollner. Doch in erster Linie dient der Lehrgang dem Kennenlernen. 21 Spieler sind eingeladen, die für den Kader in Frage kommen. Und neben Pesic und Zollner werden auch die beiden anderen Assistenztrainer Frank Menz und Muki Mutapcic dabei sein. Mitte Juli soll es dann ernst werden, dann beginnt die Vorbereitung auf die EM-Qualifikation. Ziel: die Europameisterschaft 2013 in Slowenien.

Ob Matthias Zollner dann noch dabei sein wird, weiß er nicht. So weit will er auch noch gar nicht denken. Erstmal hat er sich kurzfristigere Ziele gesetzt. Das Wichtigste lautet: „Ich will aus dieser Zeit einfach wahnsinnig viel mitnehmen als Trainer“, so der neue Assistenztrainer.

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