Mit unbändiger Kraft ließen Danjulo Ishizaka (links) und Markus Schirmer Beethovens Werk erklingen. Foto: sch

Menschliche Gefühle hörbar gemacht

Dachau - Mit Danjulo Ishizaka und Markus Schirmer folgte ein weiterer kammermusikalischer Höhepunkt bei den Dachauer Schlosskonzerten. Sie waren musikalisch hochvirtuos.

Markus Schirmer (Klavier) und Danjulo Ishizaka (Cello) präsentierten im Dachauer Schloss ein gemischtes Programm durch diverse Epochen.

Es begann mit Wiener Klassik von Joseph Haydn, ging über zu Romantik, Impressionismus und schließlich in die Moderne über. Mit Beethoven als Haydn-Schüler schloss sich der Kreis.

Seinem Anspruch, den Kern der Musik zu erfassen und den Facettenreichtum der menschlichen Gefühle hörbar zu machen, wurde das Duo in federleichter und technisch ausgefeilter Weise gerecht.

Franz Schuberts Sonate für Violoncello und Klavier in a-Moll D 821 war der Herzensbrecher schlechthin. Schubert hat seine Sonate für ein in der Romantik erfundenes Instrument geschrieben, das nicht mehr gebräuchlich ist. Das „Arpeggione“ war eine Mischung aus Gitarre und Cello und hatte einen weichen, bläserähnlichen Klang. Heute teilen sich Bratschisten und Cellisten diese wunderbare Komposition. Mit Samtklang machten Schirmer und Ishizaka die Sonate zu einer Kostbarkeit, ließen den „menschlichen Herzschlag“, der der Musik innewohnt, hören. Wie ein Bildhauer meißelte Ishizaka die vielen virtuosen Spielfiguren heraus, interpretierte, wunderbar begleitet vom Klavier, klangschön und hochemotional die dramatischen Abschnitte, tänzerischen Rhythmen und sanglichen Bögen.

Noch größerer Freiheit und Formkraft gab sich Ishizaka im Solostück von Henri Dutilleux hin. Dutilleux ist ein „Farbenkomponist“, sein großes Vorbild ist Debussy, womit sich auch hier wieder ein Kreis schloss. Mit Beethovens Sonate für Klavier und Cello in g-Moll op. 5 Nr. 2 ließen Schirmer und Ishizaka zum letzten Mal die menschlichen Gefühle triumphieren.

Schirmer und Ishizaka spielten mit unbändiger Kraft, ließen Beethovens Musik vor Einfällen nur so strotzen und kehrten seinen jungen und ungestümen Geist hervor. Sehr schön war, als sich das Klavier hin und wieder seiner Begleitfunktion enthob, bravourös in Erscheinung trat und versuchte das Cello in den Schatten zu drängen – das war pure Rebellion. (sch)

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