+
Nicht mit Druck ein Problem lösen , sondern einen Schritt zur Seite gehen und die Sache mit Humor angehen: Elke Pelz-Thaller (l.) veranschaulicht ihren Lösungsansatz zusammen mit einer Zuhörerin vor etwa 300 Gästen in Gut Häusern.

Mentalbäuerin spricht beim Dachauer Landfrauentag in Gut Häusern

„Wir müssen erzählen, dass wir gut sind“

  • schließen

Passend zum Weltfrauentag war das Thema beim Landfrauentag in Gut Häusern: Stärke. Die Mentalbäuerin Elke Pelz-Thaller plädierte dafür, dass die Landfrauen selbstbewusster auftreten. Denn sie könnten die Landwirtschaft aus der Krise retten.

Landkreis – Margit Schmölzl (49) ist Bäuerin auf einem Hof mit Rindern in Schöngeising und ist am Weltfrauentag zum Landfrauentag nach Gut Häusern gekommen. Genauso wie viele ihrer Kolleginnen dort muss sie sich oft wundern. Wundern über das Wissen, das vielen Bürgern über die Landwirtschaft fehlt. „Einmal ist ein Kind am Stall vorbeigegangen und hat seine Eltern gefragt, ob das echte Tiere sind“, erzählt sie.

Bauernhöfe sind aus den Städten verschwunden, viele Menschen wissen nicht mehr, wo ihr Essen herkommt. Wer soll es ihnen erklären? Die Landfrauen. Das war die klare Antwort der Bäuerin, Mental- und Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller, die vor den rund 300 überwiegend weiblichen Gästen in Gut Häusern sprach. Die Powerfrau heizte die Temperatur im Saal merklich auf: „In der Landwirtschaft haben wir eine Krise“, sagte sie. Wenn die Bäuerinnen jetzt nicht selbst anpacken, „dann brauchen wir wirklich eine Hungersnot, damit die Leute unsere Produkte wieder wertschätzen“.

Sie holte ihr Smartphone aus der Hosentasche und hob es in die Höhe. Das Handy als Vermittler zwischen Landwirten und Verbrauchern? Genau das. Die „Mentalbäuerin“ hat via Handy ein Spargeltagebuch im Netz veröffentlicht. Sie beantwortete darin über mehrere Wochen die Frage: „Wie geht es mir und wie geht es dem Spargel?“ Ein Internet-User fragte darauf: „Pflückt ihr den Spargel wirklich noch selbst?“ Lautes Lachen bei den Landfrauen im Saal.

Zudem betonte die Mentalbäuerin, dass Bäuerinnen selbstbewusster auftreten müssen. Im Gegensatz zu Massenbetrieben in Brasilien, Kanada oder USA produzierten die deutschen Landwirte „elitär“ mit nur „wenigen Tieren“ und auf „wenigen Hektar“. Darauf könnten die Landfrauen stolz sein, so Pelz-Thaller. Auch die Kampagne von Umweltministerin Barbara Hendricks, bei der Bauernregeln umgedichtet wurden in Kritik an der modernen Landwirtschaft, war ein Thema im Vortrag. Elke Pelz-Thaller stellte dem Publikum eine Strategie vor, wie man mit solchen „Problemen“ umgehen soll: nicht dagegen drücken, sondern einen Schritt zur Seite gehen und die Sache mit Humor angehen. Wie es Oberpfälzer Bauern zum Beispiel mit folgendem Spruch taten: „Steht das Schwein auf einem Bein, muss es wohl beim Metzger sein.“

Das Fazit: „Wir müssen erzählen, dass wir gut sind“, sagte Elke Pelz-Thaller. Ein Vorbild könnte der Getränkehersteller Red Bull sein. Ein Viertelliter davon kostet im Sonderangebot 1,29 Euro. „Wenn man das auf einen Liter Milch umrechnet, können wir nächstes Jahr alle mit dem Ferrari herkommen.“

Die Veranstaltung hat viele Landfrauen auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt. Für die Austragsbäuerin Berta Riedmair (75) aus Guggenberg etwa war die Hendricks-Kampagne doch zu viel: „Sie hat die Bauern einfach ins Lächerliche gezogen“, sagt sie. Babsi Wallner (46) aus Goppertshofen wiederum hat am Landfrauentag vieles gelernt: „Wir müssen einfach selbstbewusster auftreten“, findet sie. „Zum Beispiel wenn Vorwürfe aus der Gesellschaft kommen, dass wir zu viel düngen oder das Wasser verschmutzt ist, müssen wir drüberstehen“ – also belegen, dass die Landwirte alle Regeln beachtet haben und sich nichts vorwerfen müssen.

Ein Weg dorthin könnte sein: Das Aufklären der Menschen, die zum Beispiel am Hof vorbeigehen, sagte Klaudia Kölbl aus Hilgertshausen. Also den Spaziergängern erklären, warum am Sonntag Mais gedroschen wird, wie die eigene Biogas-Anlage funktioniert – oder dass eben echte Tiere auf einem Bauernhof leben.

Auch interessant

Kommentare