Architekt Michael Korte und Archäologe Tilmann Mittelstraß zeigen die 1,60 Meter mächtigen Mauerreste. weg

Mittelalter-Burg unter dem Schloss entdeckt

Unterweilbach - Der Fund ist spektakulär: Die Reste einer Mittelalter-Burg mit Kapelle aus der Zeit um 1200 liegen unter dem Schloss Unterweilbach. Das wurde bei Sanierungsarbeiten entdeckt.

„Das ist der älteste Profanbau Dachaus“, weiß Kreisheimatpfleger Dr. Norbert Göttler. Bisher galt das Wirtshaus in Erdweg als der älteste Bau im Landkreis, der nicht zum kirchlichen Zweck errichtet worden ist.

Dass Reste vorangegangener Strukturen bei dem Umbau ans Tageslicht treten könnten, hatten die Hausherren Clemens und Sophia Trebra-Lindenau schon vermutet, da bekannt war, dass beim Neubau des Schlosses 1692 Teile einer angeblich „gotischen“ Kirche eingebaut worden sein sollen. Jetzt steht fest: Diese Kapelle, die im Schloss integriert ist und auch in Zukunft weiter als Kapelle dienen soll, ist viel älter als angenommen.

Der besondere Fund sind die Reste eines Turmes. Dessen Mauern sind fast 1,60 Meter breit, und er war nach jetzigem Kenntnisstand mindestens 14 Meter hoch – eine so genannte Wehrturmkirche. „Kurios ist, dass ein so kleiner Raum von so dicken Mauern umgeben ist“, sagt Architekt Michael Korte. Deshalb ist anzunehmen, dass das Bauwerk der Verteidigung gedient haben muss.

Kurios findet der Architekt zudem die Tatsache, dass über dem sakralen Raum mindestens ein Wohngeschoss aufgesetzt war, das nur über die Kirche oder eine in das Mauerwerk eingearbeitete Treppe erreicht werden konnte. Über ein Dach oder das oberste Geschoss ist nichts Genaueres bekannt.

Im Aushubmaterial befanden sich außerdem Knochen, Scherben und Münzen, von denen mindestens zwei aus dem Mittelalter stammen. Der wohl interessanteste Fund ist ein Skelett, das mindestens einmal innerhalb der Kapelle verlegt worden ist, wie der Archäologe weiß. Die menschlichen Überreste, die nur teilweise freigelegt sind, liegen vor dem ehemaligen Altar.

Korte vermutet, dass sich die einstige Eingangsebene der Burg eine Etage, also rund 2,50 Meter, unter dem heutigen Erdgeschossniveau befunden haben muss. Mittelalterarchäologe Dr. Tilmann Mittelstraß, der die Ausgrabungen vornimmt und dokumentiert, ist sich da nicht ganz so sicher: „Das Untergeschoss der Kapelle muss leer gewesen sein. Vielleicht hat es als Verließ gedient.“ Fest steht, dass tiefer nicht gegraben werden kann. „Das bleibt anderen Generationen überlassen“, meint Korte – aus Kostengründen und weil das Schloss bewohnt werden soll. Das Ehepaar Trebra-Lindenau lebt mit seinen fünf Kindern auf drei Zimmern in einem separaten Bau.

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