Auf der Motorhaube ausgeflippt

Dachau - Dass eine Familie füreinander einsteht, mag nachvollziehbar sein. Doch dass die Ehefrau und die Töchter des Angeklagten einem Strafgericht Lügen auftischen, das geht natürlich nicht.

Nein, ihr Mann bzw. Vater sei nicht wütend auf Motorhaube und Dach eines anderen Autos herumgetrampelt, er sei: auf die Motorhaube gefallen, wie sie meinten. Dem Angeklagten nutzten dieser Art Beistand nichts. Der 41-Jährige wurde wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt.

Familienvater und Schreiner Ahmet Öszan (alle Namen geändert) aus Paris stand vor dem Dachauer Amtsgericht. Der Sachverhalt: Im August 2015 hatte der 41-Jährige mit türkischer und französischer Staatsangehörigkeit auf der A8 auf Höhe der Anschlussstelle Dachau, „Leib und Leben der Insassen eines anderen Fahrzeuges riskiert“, wie Staatsanwältin Claudia Bergmann behauptete.

Damals soll der 41-jährige mit seiner Mercedes-Limousine den Golf von Familie Krause aus Odelzhausen rechts überholt haben, nachdem Fahrer Vater Krause zuvor wegen des Verkehrs abbremsen musste. In dem Golf saßen neben dem Vater auch noch Mutter Krause (35) sowie der knapp ein Jahr alte Sohn auf der Rückbank sowie die siebenjährige Tochter auf dem Beifahrersitz. Nach dem Überholvorgang scherte Öszan kurz vor dem Golf wieder links ein und bremste Vater Krause aus. Beide Fahrzeuge fuhren schließlich nach rechts bis auf den Seitenstreifen. Erst da kamen sie zum Stehen. Der Angeklagte, der mit seiner Familie auf der Rückreise vom Urlaub in Istanbul nach Paris unterwegs war, gab vor, dass er sich durch das starke Abbremsen von Vater Krause provoziert gefühlt hatte: „Ich habe mich beängstigt gefühlt“, übersetzte der türkische Dolmetscher. „Ich hatte Angst, dass es zu einem Zusammenstoß kommt. Deswegen habe ich rechts überholt“, erklärte der 41-Jährige. Und er wollte Krause zur Rede stellen. Laut Anklage soll der Angeklagte ausgestiegen sein. Danach soll er auf die Motorhaube des Golf geklettert sein und einige Male auf die Windschutzscheibe eingeschlagen haben. Der Schaden am Golf: 4291 Euro.

Dass er den Golf ausgebremst und auf den Seitenstreifen gedrängt hat, gab der Angeklagte zu. Richter Calame mahnte: „Sie sind nicht der Scheriff hier.“ Gegen die übrigen Vorwürfe wehrte sich der 41-jährige Schreiner aber vehement: Er behauptete, der Golf sei wieder angefahren, daher habe er sich auf der Motorhaube abstützen müssen. Sonst wäre er überfahren worden. Seine Frau und beide Töchter bestätigten diese Geschichte.

Allerdings hatte ein weiterer Autofahrer das Klettern auf die Motorhaube sowie die Schläge auf die Windschutzscheibe aus dem fahrenden Auto heraus beobachtet. Aufgrund dieser Aussage sowie den Angaben von Vater und Mutter Krause verurteilte Richter Calame den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro. Zudem ist Ahmet Öszan nun für 14 Monate lang seinen Führerschein los.

Anna Schwarz

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