Erinnerten an Giovanni Palatucci (von ölinks): OB Peter Bürgel, Kuratorin Dr. Tanja Joergensen-Leuthner, Michele Aiello (verdeckt), Generalkonsul Filippo Scammacca del Murgo, Staatssekretär Carlo Giovanardi. Am Rednerpult Zeitzeuge Fulvio Mohoratz.

Der mutige Polizeipräsident aus Fiume

Dachau - Giovanni Palatucci in Italien half zahlreichen Juden zur Flucht. Dann schickten ihn die Nazis ins Dachauer KZ. Eine Wanderausstellung erinnert an diesen mutigen Mann und dessen Taten.

Die Ausstellung „Giovanni Palatucci - Ein Mann zwischen Pflicht und Gewissen“ erinnert an einen Polizeipräsidenten im italienischen Fiume, der sein Leben riskierte, um den im Zweiten Weltkrieg verfolgten Juden zu helfen. Im Beisein des römischen Staatssekretärs Carlo Giovanardi, des Generalkonsuls Filippo Scammacca del Murgo und des Zeitzeugen Fulvio Mohoratz eröffnete OB Peter Bürgel die Ausstellung in der Kultur-Schranne.

Bürgel bezeichnete die Vernissage als „Weltpremiere“ der dreisprachigen, speziell für Dachau konzipierten Wanderausstellung. Er sagte: „Die Ausstellung und ihre Botschaft, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, soll an viele Orte auf der Welt wandern.“ Carlo Giovanardi und der Generalkonsul überreichten OB Peter Bürgel eine eigens geprägte Medaille in Bronze als Anerkennung für dessen Engagement um die deutsch-italienische Zeitgeschichte.

Initiiert wurde die Ausstellung vom „Comitato Giovanni Palatucci, Campagna“ in Zusammenarbeit mit dem Dachauer Kulturamt. Texterarbeitung und Kuratierung oblagen dem Präsidenten des Comitato Michele Aiello und der Dachauerin Dr. Tanja Joergensen-Leuthner. Aufgrund ihrer vielfältigen Kontakte nach Italien begegnete die Mitarbeiterin des Kulturamtes dem Name Palatucci immer wieder. „Ich stellte mir die Frage, wer dieser Palatucci eigentlich war“, so die Kuratorin. Zwei Jahre lang erarbeitete sie mit Michele Aiello die Inhalte der 23 Schautafeln, führte Interviews mit Zeitzeigen und beschäftigte sich intensiv mit dem spannenden Lebenslauf des italienischen „Questore“.

In der Ausstellung wird erstmalig dessen Lebensleistung in Deutschland dargestellt. Giovanni Palatucci kam am 2. November 1937 an die Questura, die wichtigste operative Einheit der italienischen Staatspolizei, in Fiume in Istrien. Als Leiter der Ausländerbehörde regelte er den Strom der jüdischen Flüchtlinge und war für die Umsetzung der Rassegesetze zuständig. Giovanni Palatucci erleichterte ihnen die Ausreise, indem er ihnen Papiere verschaffte. Er schickte sie gezielt in die Internierungslager nach Campagna, einem kleinen Ort bei Salerno, wo sie von seinem Onkel, dem Bischof Giuseppe Maria Palatucci, materiell und spirituell unterstützt wurden. Auch als Fiume seit 1943 unter deutscher Besatzung stand und die Lage für die aus Galizien und Kroatien geflohenen Juden hoffnungslos wurde, blieb Giovanni Palatucci in seinem Amt. Doch der Einfluss des Onkels zum Vatikan in Rom half nicht mehr. Am 13. September 1944 wurde Giovanni Palatucci von den Nazis verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. In der Baracke 25 starb er am 10. Februar 1945 im Alter von 36 Jahren. 1990 wurde er von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in das Verzeichnis der Gerechten unter den Völkern aufgenommen. Tief bewegt, bestätigte Zeitzeuge Fulvio Mohoratz Giovanni Palatuccis Verdienste. Dank seiner Unterstützung konnte die verfolgte Familie Mohoratz rechtzeitig fliehen.

Die Ausstellung begleitet der 17-minütige Film „Auf Spurensuche“ des Dachauer Fotografen Niels Jörgensen. Der Film begibt sich anhand von Interviews auf die Spuren Giovanni Palatuccis in Campagna und macht die Bezugspunkte zu Dachau deutlich.

Die Ausstellung

ist bis 4. September in der Kultur-Schranne zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Dr. Bärbel Schäfer

Auch interessant

Kommentare