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„Dass ich noch lebe, ist unfassbares Glück“: Tefik Achmet Oglou mit Freundin Derya Buluç.

Nach Badeunfall sucht 18-Jähriger nun seine Retter

Tefiks Herzensangelegenheit

Karlsfeld - Tefik Achmet Oglou, 17, geht an einem heißen Tag im Sommer 2015 im Karlsfelder See unter. Es folgen eine Rettungsaktion und die Diagnose, dass er an einer Herzkrankheit leidet. Erst jetzt in der Osterzeit ist er stabil – und sucht seine Lebensretter.

Derya Buluç, 18, war an jenem brütend heißen 30. August 2015 schon mal vorausgeschwommen, während ihr Freund Tefik Achmet Oglou, 17, im kniehohen Wasser des Karlsfelder Sees stand und noch ein wenig zögerte. Er wird schon nachkommen, dachte sich Derya. Doch Tefik kam nicht nach. „Als ich mich umgedreht hab’, war er mit Bauch und Kopf unter Wasser“, erinnert sich Derya, „ich dachte, er macht einen Scherz.“ 

Doch Tefik scherzte nicht, er kämpfte um sein Leben. Nur mit Hilfe einer etwa 30-jährigen Frau gelang es der zierlichen Dachauerin, ihren Freund an Land zu bekommen. Die Wasserwacht am gegenüberliegenden Ufer wurde alarmiert. Auf dem Weg zum Bewusstlosen streikte der Motor ihres Bootes – ausgerechnet jetzt. Plötzlich war ein älterer Herr mit weißem Bart zur Stelle und machte eine Herzmassage. Sein Tun schien vergeblich.

 Doch der Notarzt, der wenig später den älteren Herren ablöste, wollte nicht aufgeben. Er schaffte es mit Hilfe der Wasserwacht, den Verunglückten zurückzuholen. Doch warum ein scheinbar kerngesunder 17-Jähriger einfach so im See untergehen konnte, war dem Notarzt schleierhaft. 

Dieses Rätsel konnten erst seine Kollegen in der Amper-Klinik Dachau lösen. Sie fanden heraus, dass Tefik Achmet Oglou ein Kammerflimmern erlitt. Und diese lebensbedrohliche Gewissheit rührt von einer äußerst seltenen Krankheit mit einem äußerst seltsamen Namen her: Catecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie, kurz CPVT. Es ist eine vererbbare Funktionsstörung des Herzmuskels. „Die Hälfte der Menschen, die das haben, sterben den plötzlichen Herztod, bevor sie 30 sind, wenn es nicht diagnostiziert und behandelt wird“, weiß Tefik Achmet Oglou. 

Was er nicht weiß: Woher rührt mein Leiden? Vor dem Badeunfall hatte er nur einmal einen leichten Schwächeanfall erlitten, sonst war nie was. Bis heute forschen die Ärzte vergeblich nach den Ursachen, denn in der Familie des Moosachers mit türkischen Wurzeln hat niemand CPVT. „Dass ich noch lebe, ist ein unfassbares Glück. Mein Gott hat mir Engel geschickt“, blickt Tefik Achmet Oglou zurück. 

Mehr als zehn Minuten sei er damals ohne Sauerstoffversorgung gewesen, haben ihm die Ärzte gesagt. Sie hatten ihn in ein künstliches Koma versetzt, trugen aber die Sorge, dass ihr Patient irreparable Hirnschäden zurückbehält. Doch: Die Angst der Doktoren war unbegründet; Gott und Engeln sei Dank. 

„Ich bin von alleine aufgewacht und war klar bei Bewusstsein“, so der heute 18-Jährige. Seine Motorik und sein Gehirn funktionierten. Aber das Herz! Der Kaufmann-Azubi ist bis heute krankgeschrieben und unter ständiger Obhut von Herzspezialisten. Ein implantierter Mini-Defibrillator – nicht viel größer als eine Streichholzschachtel – wacht über seinen Herzschlag und reguliert ihn wenn nötig. „Das Ding funktioniert toll. Es hat in einem Discounter schon mal die Diebstahlssicherung ausgelöst“, sagt Tefik Achmet Oglou, der überdies zeitlebens Betablocker schlucken muss. Sein Ruhepuls liegt oft bei über 300 Schlägen pro Minute, junge Erwachsene haben üblicherweise 85. Jegliche Anstrengung bringt ihn in Lebensgefahr. 

Erst jetzt, kurz vor dem Osterfest und knapp sieben Monate nach jenem verhängnisvollen Sommertag, ist der Moosacher einigermaßen stabil. Sein Zustand erlaubt es ihm nun, sich auf die Suche zu machen: Er möchte mehr wissen über seine Krankheit und möchte Kontakt zu Schicksalsgenossen herstellen. 

Vor allem aber sucht er seine rettenden Engel von damals. An den Tag seines Unfalls sowie die beiden Monate zuvor und den Monat danach hat er keinerlei Erinnerungen mehr. Wer war also die zupackende junge Frau, wer der pfeilschnelle ältere Herr, und wer waren die beharrlichen Rettungsprofis von Notarztteam und Wasserwacht? Tefik Achmet Oglou will sich bei ihnen bedanken. Es ist eine große Herzensangelegenheit. 

Die Retter können sich bei der Heimatzeitung unter Telefon 0 81 31/ 5 63 39 oder per E-Mail unter redaktion@dachauer-nachrichten.de melden.

Thomas Zimmerly

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