Nachbarskind missbraucht: Mann knickt vor Gericht ein

Dachau - Zwei Jahre lang soll Harald M. das damals elfjährige Nachbarsmädchen sexuell missbraucht haben. Er habe sie unter anderem gezwungen, ihn oral zu befriedigen. M. bestritt die Vorwürfe. Aber nur anfangs.

Harald M. (Namen geändert) trägt zu seiner Verhandlung am Münchner Landgericht ein älteres hellgraues Sweatshirt, blaue Jeans und weiße Turnschuhe. Der 57-Jährige hat eine graue Halbglatze, ist mittelgroß und ziemlich schlank. Er macht einen freundlichen Eindruck, eher etwas unscheinbar.

Währen der Staatsanwalt die Anklage verliest und darin detailliert schildert, was M. dem Mädchen angetan haben soll, hält sich Harald M. mit einer Hand am Tisch fest. Immer wieder schüttelt er den Kopf, zieht kaum hörbar die Luft ein und schließt für mehrere Sekunden die Augen. Es wäre alles nicht wahr, beteuert er, die Vorwürfe seien schlichtweg erfunden.

Ende 2003 zog die Mutter des Mädchens in das Haus in Indersdorf. Sie war seine Mieterin. Bald übernachtete das Mädchen bei ihm, anfangs auch ihr Bruder (8). Vor allem, wenn es Streit mit der Mutter gab. Er richtete ihr sogar ein Kinderzimmer bei sich ein. 2004 erhielt M. einen Brief der Kinder: Zu Weihnachten fragten sie: Dürfen wir Dich Papa nennen?

„Eines Abends fragte die Kleine mich, ob sie zu mir unter die Dusche hüpfen dürfte, damit ich ihr die Haare waschen kann“, so M. gestern beim ersten Verhandlungstag. Die Vorwürfe der heute 18-Jährigen, er hätte sie dabei im Intimbereich berührt, und von ihr verlangt, seinen Penis zu waschen, stritt er ab. Auch, dass er sie mehrfach gestreichelt haben soll, auch unter der Unterhose. Laut Anklage soll er sie unter anderem gezwungen haben, ihn oral zu befriedigen.

M. wies alle Vorwürfe von sich. Doch dann las Richter Thomas Bott Briefe vor. Briefe, die der Angeklagte an das Mädchen schrieb. „Ich kämpfe um unsere Liebe. Ich würde alles für dich geben“, heißt es in einem dieser Briefe. In einem anderen wirft er dem Mädchen vor, sein Vertrauen missbraucht zu haben. Enttäuscht schreib er ihr schließlich: „Ich bin für Dich nur ein Typ mit Glatze.“

Nachdem Bott geendet hatte, bat der Verteidiger von Harald M. und eine Sitzungsunterbrechung. M. setzte seinen Namen unter ein Schreiben - offenbar das Geständnis. Denn beim Fortsetzungstermin morgen muss das Opfer nun nicht mehr vor Gericht aussagen. Richter Thomas Bott: „Das werden wir natürlich strafmildernd berücksichtigen.“ M. wird trotzdem für Jahre ins Gefängnis müssen. (mm)

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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