Immerhin noch eine Party: In Dachau müssen die Narren allerdings auf einen Faschingszug verzichten. foto: hab

Narrisch viel Arbeit

Dachau - Im Landkreis sind bald wieder die Narren los. Doch die Organisatioren brauchen Enthusiasmus und Idealismus - und haben oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Die gute alte Faschingszeit. Einige Dachauer Narren blicken wohl wehmütig darauf zurück: Denn viele beliebte Veranstaltungen von früher gibt es mittlerweile nicht mehr. Der Dachauer Faschingszug schlängelte sich 2013 zum letzten Mal durch die Altstadt. Vergangenes Jahr hatte sich der Faschingszugförderverein, der die Organisation übernommen hatte, aufgelöst, weil es nicht genügend Helfer gab, um die Großveranstaltung zu stemmen. Neue Freiwillige für die Planung haben sich bisher nicht gemeldet. „Im letzten Jahr gab es gar nichts, da war völlige Funkstille. Ich glaube, dass man davon ausgehen kann, dass wir in absehbarer Zeit niemanden dafür finden“, sagt Kulturamtsleiter Tobias Schneider. Als Ersatz findet am Faschingssamstag wieder eine Party am Rathaus statt. „Das wurde letztes Jahr gut angenommen. Uns ist es wichtig als Stadt, dass man das Angebot schafft“, erklärt Schneider.

Verzichten müssen die Dachauer dieses Jahr auch auf den traditionellen THW-Ball. „Es schmerzt uns schon. Aber die Besucherzahlen wurden immer weniger, und die Attraktivität ist gesunken“, sagt Sven Langer vom THW. Vor fünf oder sechs Jahren haben noch rund 600 Leute auf dem Ball die Nacht zum Tag gemacht. Letztes Jahr kamen nur noch knapp 350. Das THW hat versucht am Konzept zu feilen - ohne Erfolg. „Für die Helfer war es ein enormer Aufwand“, so Langer. Sechs bis acht Wochen lang haben die THWler jeden Abend den Ball vorbereitet - das rentiert sich nicht, wenn dann keiner kommt. „Auch finanziell lohnt es sich irgendwann nicht mehr, wenn die Besucherzahlen zurück gehen und die Kosten gleich bleiben oder steigen“, bedauert Langer. Dieses Jahr findet nur der Kinderball statt, als Ersatz für den Faschingsball überlegt sich das THW noch eine Alternativveranstaltung.

Immerhin auf den Feuerwehrball können sich die Faschingsfreunde noch freuen. Die Nacht steht unter dem Motto „Florianis großer Circus“. Akribisch bereitet die Feuerwehr den Ball im Ludwig-Thoma-Haus vor. „Es ist alles generalstabmäßig geplant“, sagt Wolfgang Reichelt von der Feuerwehr. Schon im Januar wird mit der Dekoration begonnen. „Etliche nehmen sich sogar extra Urlaub, um den Ball vorzubereiten“, sagt Reichelt.

Viel Arbeit macht auch die Organisation der Faschingszüge in Indersdorf, Weichs, Petershausen und Vierkirchen. In Weichs stand deswegen sogar der komplette Zug auf der Kippe. Nachdem Präsident Erwin Öttl seinen Posten im November abgab, konnte das Maschkerakomitee keinen Nachfolger finden. Lange war unklar, ob man ohne Präsidenten die Arbeit stemmen kann. Doch der Zug findet statt.

Unter den Narren verbreitete sich dadurch das Gerücht, dass auch andere Züge bedroht seien. „Viele Faschingsfans haben Angst, dass wir heuer den Umzug absagen“, sagt Willi Heilmann, der Präsident des Indersdorfer Faschingskomitees. An den Gerüchten ist aber überhaupt nichts dran: „Unser Umzug findet auf alle Fälle statt“, betont er.

Auch in Vierkirchen ziehen die Narren durch die Straßen - dieses Jahr allerdings etwas weniger. „Letztes Jahr war er viel zu groß. Als der letzte Wagen raus gefahren ist, war der erste schon wieder da“, sagt Hans Kohmann vom Verein Kultur und Brauchtum. Heuer ist die Zahl der Gruppen auf 40 begrenzt, dafür wird in die Sanitäranlagen und die Sicherheit investiert.

Über noch mehr Teilnehmer würde sich dagegen das Faschingskomitee Petershausen freuen. Bisher haben sich acht Wagen und sieben Gruppen angemeldet - weitere sind willkommen. „Wir suchen auch noch Helfer, zum Beispiel zum Auf- und Abbauen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Vorsitzender Gottfried Stempfl. Er ist überzeugt, dass sich die Arbeit lohnt: „Es ist einfach eine gute Kameradschaft.“

Claudia Schuri

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