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Ein Anhänger durchbrach den Zaun des Kinderhauses und richtete am Eingangsbereich größeren Schaden an.

Noch gilt 50 vor vielen Kindergärten und Schulen im Landkreis

Tempo 30 für die Kinder

Landkreis - Vor Schulen, Kitas und Altenheimen soll laut Plänen der Bundesregierung künftig häufiger Tempo 30 gelten. Viele Einrichtungen im Landkreis liegen an Hauptverkehrsstraßen. Vergeblich forderten bislang Lokalpolitiker eine Geschwindigkeitsreduzierung. 

Plötzlich löste sich auf der Ortsdurchfahrt von Großinzemoos der Anhänger von der Anhängerkupplung eines Autos. Er durchbrach den Zaun des Kinderhauses und richtete am Eingangsbereich dieses Gebäudes größeren Schaden an (wir haben berichtet). 

Nur gut, dass sich der Unfall an einem Freitagabend ereignete und deswegen keine Kinder unterwegs waren. Die Röhrmooser Gemeinderatsmitglieder reagierten sauer. Denn sie hatten schon seit Jahren für eine Temporeduzierung auf dieser Kreisstraße eingesetzt. Vergeblich. Nach den geltenden Vorschriften müssen auf übergeordneten Straßen Unfallschwerpunkte nachgewiesen werden. Bürgermeister Dieter Kugler schrieb einen Brief an Landrat Stefan Löwl. Der Tenor: Maßnahmen zum Schutz der Kinder seien dringend erforderlich. 

Ähnliche Appelle wie der aus Röhrmoos haben auch die Ohren der Bundespolitiker erreicht. Nach Plänen von Angela Merkels Regierung sollen Länder und Kommunen auch ohne einen solchen Nachweis Tempolimits auf Hauptverkehrsstraßen, zu denen auch Kreisstraßen zählen, in „sensiblen Bereichen mit besonders schützenswerten Verkehrsteilnehmern“ einführen können. Damit sind vor allem Schulen, Kindergärten, Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser gemeint. Das sieht eine entsprechende Erste Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) des Bundesverkehrsministeriums vor. 

„Man kann das nur begrüßen“, meint Simon Schlatterer. Er sitzt für die Wählergemeinschaft Hilgertshausen-Tandern im Gemeinderat, wohnt an der Ortsdurchfahrt Hilgertshausen und hat fünf Kinder. Mit Sorge beobachtet er das tägliche Treiben vor dem Kinderhaus St. Stephan und der Pfarrhauskrippe. An beiden Stätten fahren – bei erlaubten 50 km/h – reichlich Fahrzeuge, die etwa aus Richtung Aichach oder Schrobenhausen kommen, vorbei. „Kritische Situationen“ hat Schlatterer schon viele mitansehen müssen. „Es muss doch hier möglich sein, die Geschwindigkeit runterzubringen, um den Fußgängern die Möglichkeit zu schaffen, die Straße sicher zu überqueren“, plädiert er. 

Die Landkreisgemeinden haben bei der Einrichtung von Tempo-30-Zonen selbst bei erleichterten Voraussetzungen ein weiteres Problem: ihre fehlende Normgebungskompetenz. „In Bergkirchen könnte es den Bereich um die Schule und den Kindergarten Regenbogen in der Sonnenstraße betreffen. Hier ist allerdings nicht die Gemeinde, sondern der Landkreis Dachau als Straßenlastträger zuständig“, erklärt Geschäftsstellenleiter Siegfried Ketterl. Das Thema sei mehrfach im Gemeinderat behandelt worden, „aber die Entscheidung trifft zuständigkeitshalber der Landkreis“. 

Freilich dachten die Volksvertreter in Hilgertshausen-Tandern über Alternativen zu Tempo 30 nach. Doch für eine Ampel an der Krippe ist dort zu wenig Platz, und auch Lösungen wie Kreisverkehre wurden verworfen. Einen Kreisverkehr gibt es hingegen seit rund sechs Monaten auf der Staatsstraße am Ortseingang von Jetzendorf kurz vor dem Kinderhaus „Am Regenbogen“. „Das war verkehrstechnisch auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, sagt Bürgermeister Manfred Betzin. Der Kreisel wirke definitiv bremsend. 

In Petershausen denken die Gemeindeoberen ebenfalls über Tempo 30 vor zwei Schulen und der Kinderkrippe nach. „Ob, wie und in welchem Umfang dann tatsächlich ein solches Verfahren von uns auf den Weg gebracht werden kann und ob und wieweit dann Freistaat und Landkreis uns entgegenkommen müssen, hängt von der dann beschlossenen Formulierung des Gesetzes und seinen Ausführungsbestimmungen etc. ab“, sagt Bürgermeister Marcel Fath. 

Bundespläne hin oder her. Ein Anwohner des Kindergartens St. Peter in Ampermoching bringt es auf den Punkt: „Du darfst wohl mit 50 km/h am Kindergarten vorbeifahren. Es geht aber auch viel langsamer!"

Thomas Zimmerly

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