Er hilft: der Apotheker Maximilian Lernbecher. lan

„Oft reicht wenig Geld, um Not zu lindern“

Dachau - Der Dachauer Apotheker Maximilian Lernbecher engagiert sich mit Überzeugung für die Hilfsorganisation „Apotheker Helfen“, derzeit als Finanzvorstand. Im Gespräch erzählt er von seinem Engagement, von den rudimentären Verhältnissen in prekären Ländern - und von aggressivem Fundraising.

-Wo hilft der Verein „Apotheker Helfen“?

Obwohl der Verein vor 20 Jahren wegen der Jugoslawien-Kriege und der schlimmen Dinge, die dort passiert sind, gegründet wurde, hat sich der Fokus bald auf Afrika verlagert. Heute hat unser Verein viele Kontakte im Togo, im Senegal, aber auch in Nepal und in verschiedenen Ländern in Südamerika. In unseren Projekten finanzieren wir zum Beispiel Krankenhäuser und Arztpraxen. Da stellen wir dann die Grundausstattung und schulen Personal. Ein Arzt von uns fliegt jedes Jahr für einen Monat nach Nepal, um Augenoperationen durchzuführen. Wir haben auch ein Notfalldepot, in dem Medikamente eingelagert sind und im Notfall sofort für einen Einsatz abrufbar sind. Wir helfen auch bei Flutkatastrophen wie beim Tsunami 2004, nach dem Erdbeben in Haiti haben wir Personal ausgebildet. Immer wieder ein Thema ist Syrien: Dort unterstützen wir in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr Flüchtlingslager im türkischen Grenzgebiet. Unser nächstes Thema ist ein Projekt für Geburtshilfe in Nepal.

-Wie arbeitet der Verein?

Das alles läuft fast komplett ehrenamtlich. Der Verein hat nur einen hauptamtlichen Mitarbeiter. Dafür arbeiten wir sehr eng mit unseren Partnern vor Ort zusammen. Während andere Hilfsorganisationen aggressives Fundraising, also Mittelbeschaffung, betreiben und fast 30 Prozent ihrer Spenden dafür ausgeben, haben wir nur ungefähr einen Verwaltungsetat von zehn bis 20 Prozent. Wir bauen keinen Druck auf, bleiben stets seriös und transparent. Jeder Spender kann unsere Rechnungen und den Bericht einsehen.

-Wie sind Sie dazu gekommen, sich zu engagieren?

Ich bin 2000 auf den Verein gekommen, weil ich den damaligen Geschäftsführer kannte. Der hat mir dann von der Arbeit des Vereins erzählt. Ich habe zuerst als normales Mitglied angefangen und bin zu den Mitgliederversammlungen gegangen. Dann gab es einen Generationenwechsel und ich wurde gefragt: „Würden Sie sich gerne mehr engagieren?“ Der Posten des Kassiers ist freigeworden, also bin ich seit 2012 Finanzvorstand.

-Wie sieht Ihr Engagement konkret aus?

Ich verwalte die Spenden und mache daneben Öffentlichkeitsarbeit. Ich rede vor allem mit der Kollegschaft, gehe auf Kongresse und auf Messen. Wenn ein Thema die Menschen berührt, sind sie sehr hilfs- und spendenbereit. Dann kann man viel bewegen. So wie in vielen anderen Apotheken, steht auch in meiner ein Spendenkästchen von „Apotheker Helfen“, so kommt schon einiges zusammen. Selbst vor Ort war ich aber noch in keinem Projekt. Wir arbeiten viel mit unseren Partnern dort zusammen und schicken wenig eigenes Personal, weil das sehr viel von den Spenden aufbrauchen würde. Wenn meine beiden Kinder größer sind, würde ich aber gerne einmal auf eigene Rechnung zu einem der Projekte fahren. Uganda wäre toll.

-Was motiviert Sie?

Ich engagiere mich für den Verein, weil ich etwas Gutes tun will, am besten im eigenen Berufsstand. Ich denke, dass viele Kollegen im Heilberuf gerne weitergeben, was sie haben, und für andere da sein wollen. Das sind immer Leute, die mehr altruistisch als egoistisch sind. Ganz nach dem Prinzip: Wenn es einem selbst gut geht, will man das mit anderen teilen.

-Gibt Ihnen die Arbeit auch etwas zurück?

Obwohl die Arbeit anstrengend sein kann, macht sie mir Spaß. Wir sind ein kleines Team, es gibt spannende Gespräche, man lernt neue Leute kennen. Es ist auch spannend, Vorher-Nachher-Fotos zu sehen - oder wie ein Kind ganz stolz ist, weil das Dorf jetzt ein eigenes Krankenhaus hat. Natürlich gibt es auch im eigenen Land viele Bedürftige, aber wenn man sieht, wie rudimentär die Verhältnisse oft in anderen Regionen sind, ist es auch wichtig, dort zu helfen. Ich verstehe, wenn viele Flüchtlinge ihr Land verlassen, weil jemand, wenn er krank ist, tagelang zu Fuß in das nächste Krankenhaus laufen muss. Der Abstand zwischen hier und den prekären Ländern ist sehr groß. Es ist einfach toll, zu sehen, wie es oft nur wenig Geld braucht, um schnell Not zu lindern.

Das Interview führte: Eva Lang

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