"Onkel" entlastet angeklagte Fahrzeughalterin

Dachau - Ein 30-jähriger Dachauer hat die Schuld auf sich genommen: Er habe den Unfall gebaut und Fahrerflucht begangen. Auch wenn die Zeugenaussagen diese Darstellung stützen, bleiben Zweifel.

Bei einer Feier mit Freunden im vergangenen Sommer in Neufahrn ist der 18-Jährigen plötzlich schlecht geworden. Mit ihrem Freund legte sich die Auszubildende aufs Ohr. Was dann geschah, bleibt weiterhin unklar.

Irgendwer muss mit ihrem Auto zur nächsten Tankstelle gefahren sein, baute einen Unfall und floh. Die Angeklagte war es nicht – zumindestens das schien mit einiger Sicherheit festzustehen.

Anhand des Kennzeichens ermittelte die Polizei die Angeklagte als Halterin des Wagens, und tatsächlich gestand die 18-Jährige und räumte den Unfall und die Fahrerflucht ein. Zu einem späteren Zeitpunkt widerrief sie allerdings. Sie sei von der Polizei unter Druck gesetzt worden, behauptete sie. Nun folgte der Auftritt des 30-Jährigen. Der Bekannte der Angeklagten, den alle und besonders die 18-Jährige nur „Onkel“ rufen, passt schon vom Alter her nicht in die Clique. Als die Angeklagte ihr Geständnis widerrief, bekannte er sich zu dem Unfall und gestand die Fahrerflucht ein.

Im Prozess wiederholte die 18-Jährige ihre nachträglich vorgetragene Version der Geschehnisse des Unfallabends. Ohne ihr Wissen habe der 30-Jährige ihren Autoschlüssel genommen, während sie sich für einen Moment hingelegt hatte. Sämtliche Zeugen – allesamt Gäste der Feier und Entlastungszeugen der 18-Jährigen – bestätigten diese Version. Und sie blieben dabei – allen Ermahnung des Gerichts und der eindringlicher Belehrung der Staatsanwältin zum Trotz.

Die einzige Zeugin der Staatsanwaltschaft, die Fahrerin des anderen Autos, meint zwar, sich an eine junge frau am Steuer zu erinnern. Wirklich sicher war sie nicht.

Dem Gericht blieb somit nur die Aussage des 30-jährigen „Onkel“ Und der nahm alle Schuld auf sich und darf somit die Suppe auslöffeln: Ihn erwartet ein eigenes Verfahren. (an)

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