Ostpost: Umstrittener Artikel erscheint nun doch

Dachau - Sie wurde eingestampft, umgeworfen, neu gedruckt: die erste Ausgabe der Ostpost in diesem Jahr. Wegen eines Artikels - der nun doch erschienen ist. Mit nur kleinen Änderungen.

5000 Exemplare eingestampft, stinksaure Mitarbeiter und stressige Nacharbeit - das alles trifft auf die erste Ausgabe 2014 der „Ostpost“ zu, dem Quartiersmagazin für Dachau-Ost. Der Grund: ein Artikel über den regionalen Grünzug Dachau und Karlsfeld, der der Stadt als Herausgeberin der Zeitung sauer aufgestoßen war. Und weil die Stadt die Zeitung erst redigierte, nachdem das Blatt bereits im Druck war, wurden die Exemplare Ende April kurzerhand in den Müll geworfen - sehr zum Ärger der Mitarbeiter. Zudem mussten diese den als unausgewogen eingestuften Artikel entfernen und unter höchstem Zeitdruck einen Ersatztext finden, damit die Ausgabe erneut gedruckt werden konnte (wir haben berichtet).

Nun ist die zweite Ausgabe der Ostpost erschienen - mit dem umstrittenen Text. „Der Redaktion war klar: Wenn der Artikel diesmal nicht erscheint, machen wir hier keine Zeitung mehr“, erklärt Quartiersmanagerin Sabina Endter-Navratil. Das sei der Stadt deutlich gesagt worden. Der Text von Michael Volkmann, der für den Erhalt der Grünflächen zwischen Dachau und Karlsfeld plädiert, wurde nur in wenigen Punkten geändert. „Der Autor und die Redaktion haben einige kleine Zugeständnisse gemacht“, sagt Endter-Navratil.

So wurde beispielsweise eine Bildunterschrift geändert: Unter dem Foto einer großen Gewerbehalle in Dachau-Ost steht nun statt der ursprünglichen Zeilen: „Eine der neueren architektonischen Glanzleistungen im Gewerbegebiet Dachau-Ost: Sieht so die Zukunft des Grünzugs aus?“ kurz und knapp: „Die Zunkunft des Grünzugs?“. Außerdem geändert wurde der Schluss. Dort taucht jetzt unter anderem nicht mehr der „Bürgerantrag der Dachauer SPD“ auf, sondern nur noch „ein Bürgerantrag“. Und der Text endet nicht mit einem Zitat der Bürgerinitiative Grünzug Dachau und Karlsfeld („Bewahren statt Zerstören“), sondern mit einem Apell des Verfassers: „Bewahrt unsere vorhandenen Grünflächen! Was einmal zubetoniert ist, ist für immer verloren!“

Unterm Strich wurde der Text also nicht großartig umgebaut - dennoch ist er jetzt von der Stadt abgesegnet worden. „Das liegt sicher auch daran, dass ein Wechsel im Rathaus stattgefunden hat. Vorher war der Bericht ja angeblich zu SPD-lastig“, sagt die Quartiersmanagerin.

„Vorher war die Bezugnahme auf Parteien und Bürgerinitiativen ein großes Thema, jetzt wurde es mehr als Einzelmeinung oder wie eine Art Leserbrief dargestellt“, erklärt Bauamtsleiter Michael Simon, der bei der Stadt für die Ostpost zuständig ist. „Wir haben die Gefahr gesehen, zu sehr in eine Konfrontation rein zu kommen.“ Die Zeitung solle nicht durch die Bezugnahme auf Parteien und Bürgerinitiativen kaputt gemacht werden. „Ziel war, die Zeitung unbelastet als Instrument zu erhalten“, so Simon.

5000 Exemplare auf dem Müll und viel Aufregung um einen Text, der nun doch im Großen und Ganzen unverändert erschien - war es das alles wert? „Da sehe ich mich außerstande, das abschließend zu bewerten“, so Simon. „Das muss jeder für sich selbst beurteilen.“

Conny Kirmaier

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