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Pfiat di, Anderl!

Anderl Laubert verlässt die Blechblos'n

Dachau - Dachau - Er macht Schluss. Nach 25 Jahren verlässt Anderl Laubert die Blechblos’n. Der 44-Jährige war Gründer und Frontmann der Dachauer Band. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht, doch nun spricht der Sänger über Stimmbänder, Stimmung und Stagnation.

Du hörst tatsächlich auf. Was hat Dich zu diesem Schritt bewegt?

Da gab es mehrere Gründe. Hauptsächlich ist es eine gesundheitliche Geschichte. Ich habe einen Stimmbandschaden, der sich so verschlimmert hat, dass die Ärzte gesagt haben, dass ich einfach den falschen Beruf hab. Wir hatten nach dem Oktoberfest noch zwei Auftritte, dann ist es einfach nicht mehr gegangen. Ich hatte einen kompletten Stimmverlust.

Was ist das für ein Stimmbandschaden?

Das ist ein Präkarzinom, eine Verhärtung an den Stimmbändern, die in 30 Prozent der Fälle zu einem Tumor führt.

Du stehst jetzt also seit fast zwei Monaten nicht mehr auf der Bühne. Bessert sich Dein Zustand?

Ja, so schöne Stimmbänder wie ich jetzt hab, hab ich seit zwölf Jahren nicht mehr gehabt.

So lange hast Du damit schon Probleme?

Seit 2000 kann man Bilder von den Bändern machen. Ich hatte aber schon immer Probleme. Es hat kein Oktoberfest gegeben, bei dem ich mir zur Halbzeit keine Kortisonspritze habe geben lassen, damit es wieder abschwillt.

Also: Möglichst schnell wieder auf die Bühne?

Ja, das war bei meinem Bandscheibenriss genauso. Zwei Wochen nach der OP habe ich mit Halskrause wieder gespielt. Und jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich sage: Nein. Jetzt komm erst ich. Hinzu kommen aber andere Gründe.

Welche?

Ich trinke wegen meiner Bauchspeicheldrüse seit drei Jahren keinen Alkohol mehr. Da ist man irgendwie völlig falsch in dem Bierzelt-Metier. Ich fühl mich nicht gut, wenn ich zum Besäufnis aufruf und selber mach ich gar nicht mit. Das ist meiner Meinung nach ein bisschen scheinheilig. Da bin ich froh, wenn ich das nicht mehr machen muss.

Dein Fazit über Deine Blechblos’n-Zeit?

Die 25 Jahre waren eine schöne Zeit, auf die man stolz zurückschauen kann. Doch der Zenit ist erreicht, und es gibt aus meiner Sicht von den Auftrittsmöglichkeiten keine große Steigerung mehr. Man setzt sich natürlich auch immer selber unter Druck. Es ist immer eine Gratwanderung: Belastest du dich wieder, oder denkst du auch mal an dich. Dann kannst du nicht mehr 100 Prozent geben. Und wenn du einfach von Anfang an ein Rampensau bist, dann kannst du nur alles geben - oder eben gar nichts. Bevor ich weniger mache, ist es gescheiter, ich mach es gar nicht mehr.

Macht Dich diese Entscheidung traurig?

Es ist nicht so, dass das jetzt ein Abschied voller Tränen ist. Jedes Ende ist ja eine Chance auf Neuanfang. Ich kann jetzt viele Dinge machen, sowohl privat, als auch beruflich, die ich vorher aus Zeitgründen nicht machen konnte. Und darauf freu ich mich.

Inwieweit wird sich Dein Privatleben ändern?

Ich hab ja 25 Jahre kein normales Familienleben geführt. Ich freu mich zum Beispiel darauf, dass ich meine Frau nicht alleine auf eine Hochzeit schicken muss, weil ich irgendwo spielen muss. Einfach darauf, dass ich bei lustigen und auch bei traurigen Anlässen zu Hause sein kann.

An welche Ereignisse denkst Du?

An dem Tag, an dem mein Vater beerdigt wurde, wäre es mir lieber gewesen, wenn ich am Abend nicht zu einem Auftritt nach Wien gemusst hätte. Ich wäre lieber für meine Mama dagewesen.

Gab es schon mal Überlegungen, die Band aufzulösen?

Nein. Wir wollten es immer so lange machen, wie wir körperlich können. Und ich bin jetzt eben der Erste, der das akzeptiert.

Wird Dir die Bestätigung fehlen?

Definitiv nein. Aus einem einfachen Grund: Ich hab diese Sache noch nie gemacht, um der Star oder der tolle Held zu sein, sondern einfach, um Spaß zu haben und die Leute zu unterhalten. Sollte mir der Applaus dann doch fehlen, dann hab ich mit meiner Frau abgesprochen, dass sie dann kurz lacht und eine La-Ola-Welle macht (lacht).

Was wird Dir fehlen?

Das sind mit Sicherheit die Freunde, also etwa die Wirte und die Veranstalter. Sie werden mir fehlen. Und es gibt so Momente. Als ich meinen Kostümkoffer ausgeräumt hab, und die Kostüme von Abba, Tina Turner oder Johnny Cash vor mir in der Waschküche lagen - da wurde ich schon wehmütig.

Und was wirst Du nicht vermissen?

Das viele Reisen. Das eigene Bett, das eigene Klo, die eigene Frau - das sind einfach drei tolle Sachen (lacht).

Wie sieht es mit Deiner beruflichen Zukunft aus?

Ich hab ganz viele Ideen. Ich hätte durchaus Lust auf eine Wassergarten-Planungsfirma. Vielleicht gehe ich auch zum Fernsehen, oder zum Rundfunk. Ich könnte mir auch vorstellen, ein Drehbuch zu schreiben: Über die Geschicke einer bayerischen Unterhaltungskapelle.

Man hört, dass Du Dich auf die Zukunft freust.

Das Beste an dem Abschied ist, dass meine Stimmbänder die Entscheidung getroffen haben, nicht ich. Dafür bin ich dankbar: Dass mir die Entscheidung, die mir sehr schwer gefallen wäre, abgenommen wurde.

Machst Du privat mit der Musik weiter?

Im Moment will ich von der Musik gar nichts wissen. In meinem Radio läuft der Nachrichtensender B5.

Interview: Nikola Obermeier und Christian Chymyn.

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