Pfiffe von den Windkraft-Gegnern

Odelzhausen - Alle fünf Windräder im Adelzhauser Forst stehen. 80 Interessierte wollten sich über den Windpark Brugger informieren. Plötzlich tauchten 200 Demonstranten auf - und mit einem Sarg.

„Lüge! Lüge!“ Oder: „10-H-Abstand!“ „Kein Wind, kein Windrad!“ Diese Parolen der Windkraftgegner schallten durch den Wald. Mehr als 200 Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag im Wald bei Brugger lautstark und kreativ gegen Windkraftnutzung. Weitgehend unbeachtet von Polizei und Behörden waren die Anhänger von 17 Bürgerinitiativen (BI) aus der Region zu einem von fünf Windrädern in den Wald gezogen. Dort wollten sich etwa 80 Interessierte bei einer Veranstaltung der Vhs Altomünster über den Windpark informieren - aus erster Hand: Der Investor Franz Uhl, Geschäftsführer der Firma Uhl Windkraft Projektierung GmbH & Co. KG aus Ellwangen, und sein Planer Dr. Karl-Heinz Linke erklärten den Besuchern die Anlage. Allerdings machten sich die Windkraft-Gegner im Hintergrund lautstark bemerkbar.

Die fünf neuen Windkraftanlagen im Adelzhausener Forst bilden den Windpark Brugger. Mit Rotoren erreichen die Windräder eine Gesamthöhe von etwa 200 Metern. In ganz Deutschland gibt es keine höheren Modelle. In wenigen Wochen soll die Anlage nach einer umfangreichen, fast achtjährigen Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase ans Netz gehen und Strom produzieren. Auf dem Weg durch den Wald ahnten die Vhs-Teilnehmer noch nicht viel. Von Demonstranten war nichts zu sehen. Nur einige windkraftkritische Transparente waren am Weg aufgestellt. Gut eine Stunde verlief die Vhs-Veranstaltung ruhig und informativ. Bürgerfragen - auch kritische - wurden von Linke und Uhl beantwortet. Dann wurde es unruhig. An der Absperrung rund um das Windrad sammelten sich immer mehr Menschen mit Transparenten. Am Ende waren es dann rund 200 Windkraftgegner, die sich mit lautem Rufen Gehör verschaffen wollten.

Elfriede Eisenhofer von der BI Gegenwind Petershausen (Landkreis Dachau) war eine von ihnen. Sie freute sich, dass so viele Gegner zusammengekommen waren. 17 Bürgerinitiativen von Starnberg über Fürstenfeldbruck und Dachau bis aus dem Landkreis Aichach-Friedberg machten bei der Demo mit. Dr. Johannes Mayer aus Friedberg, Vorstandsmitglied der BI „Bürger für Transparenz und Gesundheit“, führte eine Gruppe „Wallfahrer“ aus dem Aichacher Land, die „spontan“ an der Demo teilnahm. Zwischen Aichach, Dasing und Sielenbach soll ebenfalls ein Windpark entstehen, den sie verhindern wollen. Mayer: „Wir sind keine Windkraftgegner, sondern dagegen, dass Windkraftanlagen zu nah an Siedlungen gebaut werden. In Rieden (Kreis Aichach-Friedberg) sollen es nur 890 Meter Abstand werden. Infraschall ist bis zu einer Entfernung von 1500 Metern gesundheitsschädlich.“

Auch im Landkreis Dachau sollen sich bei Welshofen bald weitere, rund 200 Meter hohe Rotoren drehen. Helmut Bayer von der BI Unser Buchwald aus Welshofen kam mit 15 Windkraftgegnern zur Demo im Wald: „Wir sind sauer. Der Gesundheitsschutz für die Menschen bezüglich Infraschall wird nicht ausreichend berücksichtigt.“

Auch einige Vhs-Teilnehmer waren deutlich verärgert, weil sie wegen der Rufe der Demonstranten nicht mehr alle Ausführungen der Referenten verstehen konnten. Einige Streitgespräche zwischen Befürwortern und Gegnern entwickelten sich, aber alles blieb - trotz mancher rhetorischen Härte - friedlich und gewaltlos.

Ruhig und gelassen reagierten die Vhs-Verantwortlichen. Sie ließen sich nicht aus dem Konzept bringen. Geduldig wurden Fragen bis zum Ende beantwortet. Auch die Frage, an wen die fünf Rotoren verkauft worden sind, wurde geklärt. Die Commerzbank Hamburg hat den Windpark vermarktet und in einem geschlossenen Fonds an namentlich nicht genannte Investoren verkauft. Die Gemeinden vor Ort sind nicht an dem Windpark beteiligt, zeigten aber auch kein Interesse daran, so Uhl. Bürgerbeteiligungen gibt es aus dem gleichen Grund nicht.

Zum Schluss gab es für Karl-Heinz Linke und Franz Uhl einen Geschenkkorb vom Vhs-Vorsitzenden Konrad Wagner - und Pfiffe von den Demonstranten.

Manfred Sailer

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