Podiumsdiskussion im Zieglerbräu: Moderatorin Marese Hoffmann, Dr. Peer Juhnke (Arzt und Sohn des verstorbenen Entertainers Harald Juhnke), Dr. Ulrich Landvogt-Krämer (Psychiater), Fritz Kelber (pensionierter Richter), MdB Elisabeth Scharfenberg und Ursula Kreis von der Nachbarschaftshilfe Erdweg (v.l.). Foto: cse

Pflege-Diskussion erfüllt Erwartungen nicht

Dachau - Über das Thema „Pflege daheim – und alles wird besser“ wurde eifrig diskutiert bei einer Veranstaltung der Grünen im Zieglerbräu. Doch die Zuhörer waren nicht zufrieden.

Eine Dame im Publikum machte ihrem Unmut Luft: „Für mich ist alt werden kein Segen, sondern ein Fluch. Und ich gehe mit demselben Gedanken wieder von dieser Diskussion nach Hause!“ Auch sie hatte sich handfeste Tipps erhofft, wie pflegende Angehörige ihre Aufgabe leichter meistern könnten.

Das Podium schaute betreten drein. Moderatorin Marese Hoffmann versuchte eine Erklärung: „Ich denke, der Wunsch ist einfach zu hoch gestellt. Wir hatten heute nicht die Möglichkeit, etwas zu ändern. Wir konnten uns nur die Klagen und Sorgen anhören.“

Auf dem Podium diskutierten Dr. Peer Juhnke (Arzt und Sohn des verstorbenen Entertainers Harald Juhnke), Dr. Ulrich Landvogt-Krämer (Psychiater), Fritz Kelber (pensionierter Richter), MdB Elisabeth Scharfenberg und Ursula Kreis von der Nachbarschaftshilfe Erdweg. Deutlich wurde vor allem eines: Es gibt zum Thema "Pflege daheim" sehr unterschiedliche Ansichten. Uneinigkeit herrscht etwa bei der Frage, welcher Weg ist in der Pflege der richtige sei. Die Sprecherin der Grünen für Pflegepolitik im Bundestag, Elisabeth Scharfenberg, bezeichnete in ihrem Vortrag das neue Pflegegesetz als einem „Schnellschuss“. Gute Ansätze seien zwar da gewesen, davon sei jedoch am Ende nicht viel übrig geblieben. „Das ist das Problem der großen Koalition. Zwei große Parteien kommen immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner“, so die Bundestagsabgeordnete.

Rudolf Szymkowiak, Vorsitzender im ärztlichen Kreisverband Dachau, forderte gar, die Bundespolitik müsse sich aus der „Pflegefrage“ komplett heraushalten: „Wir müssen die Lösung in den Landkreisen suchen, dazu brauchen wir nicht Berlin.“ Der Hausarzt sei in seiner Funktion als Ansprechstation bei Fragen und Problemen entmündigt worden, so Szymkowiak. „Das, was wir nebenbei gemacht haben, wird jetzt aufgebläht.“ (mm)

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