Auch im Dachauer Krankenhaus macht sich der Mangel an Pflegekräften zunehmend bemerkbar. Foto: Wester

Pflegesituation an den Amperkliniken: Probleme ja, Notstand nein

Dachau - Die linksgerichtete Unabhängige Betriebsgruppe der Amperkliniken Dachau hat erneut die ihrer Auffassung nach „unhaltbaren Arbeitsbedingungen“ im Pflegebereich der Krankenhäuser Dachau und Indersdorf angeprangert. Doch dieser Kritik will sich noch nicht einmal der Betriebsrat anschließen.

„Die Pflegesituation ist nicht zufriedenstellend“, räumte Betriebsratschef Claus-Dieter Möbs gestern bei einem Pressegespräch ein, „das ist aber nichts Neues und überall in Deutschland so.“ Hauptgründe: die zunehmenden Anforderungen, die moderne Medizin auch an Pflegekräfte stellt, und der Personalmangel.

Nachweislich fehlen ausgebildete Pflegekräfte. Laut einer Umfrage der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) waren es Mitte 2010 bayernweit rund 1000. Betroffen seien alle Krankenhäuser - die in großen Städten ebenso wie die in ländlichen Gebieten, die unter kommunaler und kirchlicher Trägerschaft ebenso wie die unter privater Trägerschaft.

Seit Monatsanfang ist Bernward Schröter Chef der Amperkliniken AG. Er löste Uwe Schmid ab. Um den Problemen im Pflegebereich zu begegnen, will Schröter vor allem auf den Dialog setzen. Regelmäßig gibt es Gespräche mit allen Beteiligten, „denn wir können das nur gemeinsam hinbekommen“.

Betriebsrats, Pflegedienstleitung und Beschäftigte unterstützen Schröters Weg ausdrücklich. Christina Sterk, Fachbereichsleiterin der Pflege in der intensivmedizinischen Abteilung, lobte gestern die offene Diskussion, die über die Probleme im Pflegebereich geführt werde: „Man wird gehört!“

Erste Fortschritte gebe es bereits. Wie Christina Sterk berichtete, habe sich zum Beispiel die Einführung so genannter Stationssekretärinnen sehr bewährt. Arzthelferinnen zum Beispiel übernehmen auf den Stationen administrative Tätigkeiten. Die ausgebildeten Pflegekräfte werden auf diese Weise entlastet.

Schon 2007 war in den Amperkliniken ein neues Pflegekonzept eingeführt worden. So genannte Servicekräfte sollten pflegefremde Tätigkeiten übernehmen, damit die Fachkräfte sich mehr um die Patienten kümmern können. Martin Bieg war damals ganz neu als Pflegedienstleiter in Dachau. Das System sei mittlerweile etabliert, sagte er nun beim Pressetermin, „aber man kann natürlich immer etwas verbessern“.

Bernward Schröter will außerdem versuchen, ausgebildete Pflegekräfte nach Dachau zu bekommen. Großer Bedeutung misst er dabei einem angenehmen Betriebsklima bei: „Atmosphäre ist vielen wichtiger als 100 Euro mehr im Monat.“ Zudem gelte es, Anreize anderer Art zu schaffen. Eine Kinderbetreuung während der Sommerferien wird heuer zum ersten Mal angeboten. Und möglicherweise werde es irgendwann sogar einen eigenen Kindergarten geben, so Schröter.

Auch den Mitgliedern der Unabhängigen Betriebsgruppe will der neue AG-Chef ein Gesprächsangebot unterbreiten. „Jeder kann sich äußern, ohne Nachteile befürchten zu müssen“, so Schröter wörtlich. Allerdings bot auch schon der Betriebsrat der linken Betriebsgruppe eine Zusammenarbeit an. Möbs: „Aber die wollen das nicht.“

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