Platteln zur Völkerverständigung

Eisenhofen - Eine Völkerverständigung der etwas anderen Art findet einmal im Jahr im Gasthaus Gschwendtner in Eisenhofen statt. Amerikanische College-Studenten lernen das Schuhplatteln.

„Hau ma glei oan obe - an Aschauer, ha?“. Sobald dieser Satz die Lippen von Michael Arzberger verlassen hat, springt ein Teil der im Eisenhofener Wirtshaussaal anwesenden Personen von ihren Stühlen auf und rennt zur Tanzfläche. Der andere Teil hingegen bleibt mit großen Augen und halboffenen Mündern auf den Stühlen sitzen und bewundert, was der erste Teil klatschend und juchzend auf der Tanzfläche vollbringt.

Der erste Teil, das sind die Eisenhofer Schuhplattler, der zweite sind Studenten aus Amerika, die für drei Monate zu Besuch in Deutschland sind. Am vergangenen Mittwochabend haben rund 15 Studenten des Guilford Colleges in Greensboro die Eisenhofener Schuhplattler besucht. Nicht nur um die Plattel-Kunst der Burschen zu bewundern, sondern, um selbst das Platteln zu lernen. Zwei Stunden später können die Studenten aus North Carolina tatsächlich den einen oder anderen manierlichen Plattler aufs Parkett legen. Freilich nicht ganz so professionell wie die Eisenhofer, aber die üben ja schließlich schon seit zehn Jahren.

Seit sieben Jahren kommen jährlich Studenten aus dem Guilford College nach Eisenhofen, um das Platteln zu lernen.

Der Kontakt wurde über Michael Arzberger geknüpft. Er studiert mit den Eisenhofer Plattlern die Tänze ein und begleitet sie auf der Quetsch’n. Die Frau seines Arbeitskollegen unterrichtet Deutsch an der Münchner Schule, an der seit Jahrzehnten Schüler aus Greensboro für drei Monate zu Gast sind. Während dieser Zeit wohnen sie bei Gastfamilien. Die Studenten besuchten jedes Jahr einen Volkstanzabend in München. Bis einer der amerikanischen Schüler den Wunsch äußerte, einen richtigen Plattler sehen zu wollen. Und so kamen die Eisenhofer ins Spiel. Seit sieben Jahren zeigt Michael Arzberger den Gästen, was ein „Sechser-Schlag“ oder ein „Kreuzsechser“ ist. Um kleinere Sprachbarrieren zu überwinden, übersetzt Arzberger dann schon mal den „Sechser-Schlag-links-vorn“ in ein „Sixer-Slap-left-front“.

Aufmerksam hören die Studenten aus Übersee zu und machen die Schläge nach, die Arzberger vorplattelt. „Das ist immer wieder etwas besonderes“, sagt David Limburg. Er ist Professor für Germanistik am Guilford College und hat öfter Studenten nach Eisenhofen begleitet. „Die Hälfte von ihnen hat sich hier in Deutschland eine Lederhose gekauft“, erzählt er über seine Schützlinge, die alle zwischen 19 und 22 Jahren sind. „Auf der Wiesn waren wir natürlich auch.“ Nach zwei Stunden Training im Wirtshaus Eisenhofen sind die amerikanischen Plattel-Fans dann doch sichtlich erschöpft. Der Sechser-Schlag sitzt und was der „Haislratz-Plattler“ und der „Schnacklwalzer“ sind, wissen sie auch. „Es hat auch schon Studenten gegeben, die während ihres Europaaufenthalts auf dem Markusplatz in Venedig geplattelt haben“, erzählt Heribert Hart, Arzbergers Kollege.

Bevor sich die Studenten am Mittwochabend von Eisenhofen wieder in Richtung München aufmachten, gab es zur Völkerverständigung noch einen 5-Liter-Humpen Goaß, der gemeinsam ausgetrunken wurde. Neben dem Platteln lernten die amerikanischen Schüler dann noch etwas: „Oans, zwoa, drei, vier - jetz sauf‘ a mir, de Eisenhofer Stier“. (cc)

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