Die Polizei-Schrauber

Dachau - Wenn Beamte des Landeskriminalamts nicht mehr in die Gänge kommen, wenn eine Streife bei einer Verfolgungsjagd im Acker gelandet ist oder wenn Hunderte von Chaoten einen Polizeitransporter zerdellt haben - dann schlägt die große Stunde der zentralen Kraftfahrzeugwerkstatt der Dachauer Bereitschaftspolizei.

u - In einem Reparaturraum gleich neben der großen Halle steht ein VW-Transporter. Die Seitenscheiben sind eingeschlagen, zahlreiche Dellen lassen an einen Hagelschaden denken. Doch es war nicht die Natur, es waren Hunderte, auf Krawall gebürstete Hamburger Chaoten, die auf das Fahrzeug eingeschlagen und es mit Pflastersteinen beworfen hatten.

Die Insassen, Dachauer Bereitschaftspolizisten, kamen mit dem Schrecken davon - bei diesem Angriff. Bei anderen Begegnungen mit dem Mob an jenem 21. Dezember wurden 24 Dachauer Beamte verletzt, als sie bei der Demonstration für den Erhalt eines linksalternativen Kulturzentrums im Schanzenviertel der Hansestadt für Ruhe und Ordnung sorgen wollten. Darüber hinaus wurden sechs ihrer Autos beschädigt.

Als der Bepo-Tross an die Amper zurückkehrte, waren die Wunden der Polizisten versorgt. Ihre Autos waren jedoch immer noch in erbarmungswürdigem Zustand. Jetzt mussten Christian Kammerloher und seine Männer ran. Weihnachten hin oder her, griffen sie zu ihren Ausbäulsätzen und Karosseriemeißeln. Schließlich wurden die Wagen am Wochenende für einen Einsatz in Magdeburg gebraucht.

Kammerloher, 53, ist amtlich anerkannter Kfz-Sachverständiger und Chef der zentralen Kraftfahrzeugwerkstatt auf dem Gelände der Dachauer Bereitschaftspolizei. Im größten polizeilichen Autoreparaturbetrieb Bayerns werkeln 54 Mechatroniker. Sie sind zivile Angestellte und stammen fast alle aus dem Landkreis. Unter ihre Schraubenschlüssel kommen neben den rund 260 Bepo-Fahrzeugen Wagen der Polizeiinspektion Dachau, des Landeskriminalamts oder von Polizeidirektionen. Der Einzugsbereich reicht weit in den Landkreis Fürstenfeldbruck hinein. „Vom kleinen Service bis zum schwersten Unfallschaden müssen sie alles handhaben können“, sagt Kammerloher. Und das nicht nur bei Streifenwagen.

Auf einer riesigen Grube steht der gewaltige „WaWe 9“, wie ihn Andreas Schamberger, 52, nennt. Der zweifache Familienvater aus Altomünster ist so etwas wie die gute Seele der Werkstatt. Seit 1982 schraubt und hämmert Schamberger im Dienste der Polizei. Seit 1992 kümmert er sich um die Auszubildenden, seit 1997 - gemeinsam mit Geschäftsstellenleiter Peter Rost - in Eigenregie. Und seit September ist er Träger des Preises für verdiente Ausbilder der Handwerkskammer.

„Das war auch nötig“, kommentiert Schambergers Chef Kammerloher. Schamberger selbst „steht nicht gern im Rampenlicht“, wie er sagt. Lieber steht er in der Fahrzeuggrube und analysiert in aller Ruhe, was zu tun ist. Beim „WaWe 9“, dem froschgrünen Wasserwerfer mit 9000 Liter Kapazität, darf freilich kein Azubi ran. Hier ist eher einer der 15 Angestellten für Spezialaufgaben gefragt. Diese Männer kümmern sich - neben dem „wasserspeienden Krokodil“ - beispielsweise um den Einbau von Radaranlagen in die Autos oder verwandeln Transporter in rollende Büros.

Damit seine Jungs fit sind für alle Aufgaben, bildet sie Schamberger aus. Und er bildet sie überdurchschnittlich gut aus; immer vier bis fünf gleichzeitig. Und dabei gehen er und Kollege Rost neue Wege. Derzeit haben sie einen Azubi mit Tourette-Syndrom unter ihren Fittichen, der es schwer hatte, eine Ausbildungsstelle zu finden. Ohne den besonderen persönlichen Einsatz von Andreas Schamberger wäre das nicht möglich, sagt Handwerkskammer-Präsident Heinrich Traublinger. Der junge Mann hat den Einstellungstest gemeistert und „bringt seine Leistung“, so Schamberger. Trotz seiner Verhaltensstörung, die sich unkontrollierten Zuckungen äußert, sei er „ein guter Mann“.

Auch ein anderer Lehrling musste seine Leistung bringen. Und wie. Beim Ausbildungsgang „Abi und Auto“ lernte ein Abiturient zweieinhalb Jahre lang Mechatroniker und ein halbes Jahr Servicetechniker und durfte danach direkt seinen Meister machen. „Das war Druckbetankung mit Infos“, sagt Kammerloher. Doch der Azubi hat es geschafft.

Die riesige zentrale Kraftfahrzeugwerkstatt liegt ganz am Ende des Areals der Bepo am John-F.-Kennedy-Platz. Überall stehen Fahrzeuge herum. Bei einigen kann sich ein Laie kaum vorstellen, dass sie noch einmal über die Straßen rollen werden. „Dass wir ein Fahrzeug nicht mehr hinkriegen, ist eher die Ausnahme“, sagt hingegen Schamberger. Dass die Polizeiautos drei bis fünf Jahre, die Transporter gar zehn Jahre im Dienst sind, liegt an den geschickten Händen der Arbeiter, aber auch an der guten Ausstattung der Werkstatt. Egal ob BMW, Mercedes oder VW, das richtige Werkzeug ist vorhanden und die EDV für die Elektronik stets auf dem neuesten Stand. „Unser Equipment kostet richtig Geld“, meint Chef Kammerloher. Alleine 40 000 bis 45 000 Euro macht der Staat jährlich für den Werkstattbedarf locker. „Wir sind ausgelastet. Uns geht die Arbeit nicht aus“, sagt Schamberger.

Beim Einsatz der Dachauer Bereitschaftspolizisten in Magdeburg, wo rechte Gesinnungsgenossen zu rebellierren drohten, ging alles glatt. Die Transporter blieben heil. Gut auch für Schamberger, Kammerloher und Kollegen. So hatten sie Zeit für einen Audi des Landeskriminalamts, dessen Getriebe rebellierte.

Thomas Zimmerly

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