Die ungespritzten Äpfel aus dem Hofgarten durften die Teilnehmer der Schlossgartenführung, die Anni Härtl (mit Hut) vorbereitet hatte, probieren. Foto: Schäfer

Pomeranzen und ein alter Pavillon

Dachau - Der Probelauf ist gelungen. An der ersten Dachauer Schlossgartenführung nahmen 35 Besucher teil, und Gästeführerin Anni Härtl resümierte: „Garten spricht die Leute an.“

Begleitet wurde sie vom Hofgartengärtner und „Herrn der tausend Blumen und Schlüssel“ Burkhard Fellner. Schon zur Zeit der ersten Dachauer Burg, um 1403, verließen deren Bewohner die finsteren Gemäuer, um in den nahe liegenden Wiesen und Angern zu speisen, Schach zu spielen und Bogen zu schießen. Herzog Sigismund liebte „la dolce vita“. Nachdem er sich 1467 aus der Regentschaft zurückgezogen hatte, gab er sich in seinen Schlössern ganz der Frömmigkeit und dem Vergnügen hin, in Dachau in seinem „Pomgarten“ (Obstgarten). 1573 wurde das vierflügelige Renaissanceschloss gebaut. Den Garten gestaltete Friedrich Sustris, ein italienischer Maler, Bildhauer und Architekt. 16 quadratische, buchsbaumgesäumte Beete, die „Paramenti“, waren mit „Kreitlwerch“, das heißt Kräutern, Blumen und Obstbäumen bepflanzt.

Der Garten muss prächtig gewesen sein, denn Herzog Wilhelm V. ließ seine europaweiten Beziehungen spielen, um die besten Obstbäume und Weinreben, Myrrhen und Jasmin zu erhalten. Er ließ Samen in Florenz kaufen und Gewächse in Spanien. Feigen, Wein und Pomeranzen gediehen in Dachau. Da es keine Orangerie gab, lag es in der Kunst der Gärtner, die Südfrüchte über den Winter zu bringen.

Der Barockgarten wurde 1715 von Josef Effner gestaltet. Als er das Schloss modernisierte, legte er auch die Gartenterrasse an. Die Holztreppe war längst kaputt, und so errichtete Effner eine doppelläufige Freitreppe. Man müsse sich die Damen in ihren eleganten Kleidern vorstellen, die oben standen oder im Garten lustwandelten, so Anni Härtl. „Wandeln, bitteschön, nicht hatschen“, sagte sie. Effner gestaltete den Obst- und Kräutlgarten um und legte vor der Freitreppe eine mit Kübelpflanzen geschmückte Terrasse an. Eingefasst wurde dieses Podest von Blumenbeeten und Spalierobst, das man entlang der Terrassenmauer pflanzte. Sechs Stufen führten in den eigentlichen Parterrebereich. Der Höhenunterschied zwischen Altane und Parterre wurde so überwunden. (sch)

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