Noch zeitgemäß? Ponyreiten auf dem Volksfest. foto: no

Die Ponys drehen weiter ihre Kreise

Dachau - Auf dem Dachauer Volksfest wird es auch in Zukunft Ponyreiten geben. Die Belustigung vor allem für Kinder ist höchstumstritten.

Etwa 15 Pferdchen drehen alljährlich zehn Tage lang im August beim Dachauer Volksfest ihre Runden in einem bunt bemalten Rondell. Auf ihren Rücken sitzen die Kinder und amüsieren sich. Eigentlich ein hübscher Anblick. Doch nicht jedem gefällt dieses Schauspiel.

Fast 3000 Menschen aus dem Dachauer Land unterzeichneten die Petition „Kein Ponykarussell auf dem Volksfest Dachau/Faschingstreiben-Ost“. Von Tierquälerei ist die Rede, von nicht eingehaltenen Vorschriften des Tierhalters. Der Protest war so laut, dass der Hauptausschuss der Stadt die Problematik vergangene Woche auf die Agenda hievte - allerdings nicht öffentlich. In der Sitzung, in der das Veterinäramt Stellung bezog, wurde kontrovers diskutiert.

„Das Ponyreiten ist ein Anachronismus. Es gibt zwar liebenswerte Anachronismen wie den Schichtl auf dem Oktoberfest, aber Ponyreiten gehört nicht dazu“, meint etwa Sabine Geißler (Bündnis). „Es gibt heute so viele Möglichkeiten, dass Kinder reiten können. Ich denke an die vielen Reiterhöfe bei uns in der Gegend“, nennt sie ein weiteres Argument. Mit Geißler im Bunde ist Stadtratskollegin Luise Krispenz (Grüne). Sie stellt klar: „Es geht nicht darum, dem Betreiber vorzuwerfen, dass er seine Tiere quält. Aber es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob Schaustellerei mit Tieren noch zeitgemäß ist.“

Das Veterinäramt prüfte, wie die Pferdchen gehalten werden. Wie viele Stunden sie im Rondell verbringen, wie sie gefüttert werden, ob es ihnen schadet, wenn sie sich nur in eine Richtung im Kreis bewegen. Letztendlich kritisierten die Überwacher im Wesentlichen nur, dass die Ponys vier Stunden am Stück im Einsatz sind, bevor sie ausgewechselt werden. Vorgeschrieben sind drei Stunden.

Dass diese eine Stunde Mehrarbeit keine Rolle spiele, behauptet Karina Ordelheide. Sie kümmert sich um die gut 15 Ponys, die auf der Dachauer Wiesn im Einsatz sind und im Eigentum der Schaustellerfamilie Kaiser stehen. Sie verwahrt sich dagegen, dass es den Vierbeinern schlecht geht. Die ganze Geschichte mit der Quälerei sei gelogen, meint sie. „Sie werden rechtzeitig ausgewechselt. Und den ganzen Winter über stehen sie auf einer Koppel in Langenpettenbach. Von meinen Freundinnen und mir werden sie regelmäßig geritten, so dass sie genügend Bewegung haben.“ Der Tatsache, dass sich die Pferde immer nur in einer Richtung im Kreis drehen, hält Ordelheide entgegen, dass das beim Longieren auch der Fall sei. Michael Kaiser selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Hauptausschuss entschied am Ende mehrheitlich, dass die Pferdchen auch in diesem Jahr ihre Runden drehen können. Ponyreiten auf dem Volksfest sei eine Tradition, betont Volksfestreferent Robert Gasteiger (FW). Es gebe keine negative Stellungnahme seitens des Veterinäramtes. Deswegen solle die Tradition bis auf Weiteres fortgesetzt werden. Da ist Stadträtin Krispenz anderer Auffassung. Sie sagt: „Es ist keine Tradition, auf Ponys im Kreis zu reiten.“

Thomas Zimmerly

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