Bravo-Rufe und Jubelstimmung: Rita Kapfhammer (links) und Vera Schoenenberg standen im Mittelpunkt einer hinreißenden Gala; rechts Dirigent Bernhard Koch. Foto: schäfer

Das Publikum blieb einfach sitzen

Karlsfeld - Mit einer spritzigen Aufführung ist die Karlsfelder Konzertsaison ins neue Jahr gestartet.

Die Neujahrsgala der Camerata München unter der Leitung von Bernhard Koch im Bürgerhaus begeisterte das Publikum mit Orchesterstücken und bekannten Opern- und Operettenarien.

Mozart, Bizet, Lehár und Walzerkönig Johann Strauß sind ja per se schon Garanten für leichtläufige Unterhaltung, die gut zum Jahreswechsel passt. Wenn deren Arien aber von so hervorragenden Solistinnen wie Vera Schoenenberg und Rita Kapfhammer gesungen werden, dann herrscht ansteckende Feierlaune.

Die Mezzosopranistin Rita Kapfhammer ist festes Ensemblemitglied am Staatstheater am Gärtnerplatz. Sie singt nicht nur klangrein, warm und rund, sondern macht aus jeder Rolle ein Bühnenereignis. So verkörperte sie denn auch mit jeder Faser die temperamentvolle, männermordende Carmen, sang souverän und leichtläufig die Phrasierungen in der Seguidilla und setzte an den Schluss einen lebenslustigen Jauchzer. Emotionsgeladen war die Habanera, für die sie Bravo-Rufe erntete.

Auch Sopranistin Vera Schoenenberg brillierte und gab als bürgerlich brave Micaela einen innigen Gegenpart. Begeisternden Applaus erhielt sie für den mit viel Ausstrahlung gesungenen Frühlingsstimmen-Walzer, in dem sie auch in den höchsten Höhen sicher blieb.

Hinreißend war auch die Lehár-Arie der liebeshungrigen Giuditta „Meine Lippen sie küssen so heiß“ von Rita Kapfhammer. Die Solistin riss das Publikum dank überschäumenden Charmes und weiblicher Ausstrahlung mit, ließ mit warmem Timbre Männerherzen höher schlagen und Frauen an verbotene Abenteuer denken.

Das Kammerorchester Camerata spielte fein abgestuft, ausgewogen und temperamentvoll.

Mit dem frivolen Couplet des Prinzen Orlofsky aus der „Fledermaus“ lud Rita Kapfhammer in Herrenkleidung schließlich zur Neujahrsparty ein, die freilich nur auf der Bühne stattfand. Da war das Programm eigentlich schon zu Ende, doch das Publikum blieb einfach sitzen, weil es noch etwas hören wollte. So wurde mit einem Figaro-Duett und dem furiosen „Einzug der Gladiatoren“ ein letztes Mal Stimmung gemacht, bevor das Konzert mit dem traditionellen Radetzky-Marsch seinen Schluss fand. (sch)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Wohnungsleerstand wandeln“: Kreisausschuss bewilligt Forschungsprojekt trotz „absurder“ Kosten
250 000 Euro kostet eine Doktorarbeit, die drei Jahre lang – in der Hauptsache mittels Interviews – ermitteln soll, wie leere Wohnungen im Landkreis Dachau zukünftig …
„Wohnungsleerstand wandeln“: Kreisausschuss bewilligt Forschungsprojekt trotz „absurder“ Kosten

Kommentare