Auf der Bühne des Dachauer Jazz-Vereins spielte David Liebman (mit blauem Hemd) auf einem Saxophon-Prototyp. Der Klang des Emsembles war authentisch. Foto: sch

Pulsierende Energie voller Intimität

Dachau - Mit dem amerikanischen David-Liebman-Quartett setzte der Jazz e.V. nach dem grandiosen Auftakt mit Irène Schweizer einen weiteren Glanzpunkt im Jazzherbst.

Qualität statt Quantität lautet die Devise: Es gibt zwar nur vier Konzerte, die aber alle mit Spitzenmusikern besetzt sind.

Im November kommt der britische Star-Bassist Barry Guy nach Dachau. „Different – but the same“ lautet das Programm mit dem Dave Liebman (Sopran- und Tenorsaxophon), Ellery Eskelin (Tenorsaxophon), Tony Marino (Bass) und Jim Black (Schlagzeug) auftreten.

Das erste Album des Quartetts trug diesen Titel, und seither nennt Liebman auch seine Band so. Der Titel, den man mit „verschieden aber doch aus demselben Holz geschnitzt“ übersetzen kann, ist aber nicht nur Bandname, sondern zugleich auch inhaltliche Losung, denn er bezieht sich vor allem auf das Spiel der beiden Saxophonisten Liebman und Eskelin.

Der 1946 geborene, aus New York stammende Liebman gilt als Tycoon auf dem Sopransaxophon. Er arbeitete mit Miles Davis, John McLaughlin und Chick Corea zusammen, gründete die International Association of Schools of Jazz, an der er diverse Unterrichtskonzepte vertritt und ist Autor eines der bedeutendstes Standardwerke der Saxophonliteratur.

Ungemein zupackend und energiegeladen waren die Dialoge zwischen Liebman und Eskelin, bei denen sich Eskelin wie ein Moriskentänzer verdrehte. Als beide sich en face gegenüberstanden, entstanden Momente voller Intimität und gleichzeitiger pulsierender Energie.

Das Titelstück „Different but the same“ ist von afrikanischen Rhythmen inspiriert, „Tie those laces“ hingegen verspielt und transparent. Liebman hat das Stück für seine Tochter komponiert, nachdem sie gelernt hatte, ihre Schuhe zu binden. Stets jedoch erlebt man das Gefühl von Unmittelbarkeit und einer unverfälschten Authentizität.

In seinem ganzen schöpferischen Streben hat Dave Liebman nie das Existenzielle in der Musik aus den Augen verloren: das Bekenntnis zur Jazztradition. (sch)

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