Radweg soll nach Mathias Kneißl benannt werden

Dachau - Ein Radwanderweg im Landkreis soll den Namen des berühmtesten Räubers aus dem Dachauer Land tragen: Mathias Kneißl. Die Idee gefällt nicht jedem.

Ein Radwanderweg soll sechs Gemeinden miteinander verbinden, fünf davon im Landkreis Dachau. Er soll den Namen des berühmtesten Räubers aus dem Dachauer Land tragen: Mathias Kneißl. Die Idee gefällt nicht jedem.

Wer erinnert sich noch an Benedikt Brandmaier und Wolfgang Scheidler? Das sind zwei bayerische Polizeibeamte, die vor mehr als 100 Jahren in Irchenbrunn bei Altomünster einen mit Haftbefehl gesuchten Schwerverbrecher nach Hinweisen aus der verängstigten Bevölkerung festnehmen sollten. Als sie ihn zusammen mit mehreren zur Unterstützung herangezogenen Männern in einem Bauernhaus gestellt hatten, schoss der Gesuchte mehrmals auf die Gendarmen. Altomünsters Gendarmeriekommandant Benedikt Brandmaier wurde tödlich an der Schlagader seines Beines getroffen und verblutete.

Wolfgang Scheidler traf ein Schuss ins Bein. Er überlebte seinen Kommandanten nicht lange. Wegen der fürchterlichen Wunde sollte der rechte Fuß abgenommen werden. Weil er nach den Schüssen zu lange im zugigen Hausgang des Tatortes auf dem kalten Pflaster lag, hatte sich Scheidler aber eine schwere Lungenentzündung zugezogen. Außerdem bekam er ein Geschwür am Hals. Die Verletzung war so schwer, dass er nach einigen Wochen an den Folgen starb. Sein Grab in Altomünster existiert noch.

Besonders tragisch: Scheidler hinterließ eine junge Frau und fünf kleine Kinder, das jüngste gerade einmal ein Jahr alt.

Der Mörder floh. Wochen später wurde er gefasst, später in Augsburg zum Tode verurteilt und hingerichtet (1902). Der Mörder war Mathias Kneißl. Der Kriminalfall errang bayernweite Bedeutung.

Es gibt deutliche Parallelen zur Gegenwart. Zur Zeit läuft ein Prozess in Augsburg wegen Mordes an dem Polizeibeamten Mathias Vieth im Oktober 2011. Der vielfach vorbestrafte Rudolf Rebarczyk wurde bereits wegen Mordes verurteilt, sein Bruder Raimund M. steht derzeit vor Gericht. Das Opfer des Augsburger Polizisten-Mörders war verheiratet und hatte zwei Söhne. Beide Mordtaten erfolgten rücksichtslos und kaltblütig.

Jetzt hat sich die Arbeitsgruppe Tourismus und Naherholung der West-Allianz unter der Leitung des stellvertretenden Landrats Helmut Zech daran gemacht, die sechs Mitgliedsgemeinden Bergkirchen, Karlsfeld, Maisach, Odelzhausen, Pfaffenhofen und Sulzemoos mit einem familienfreundlichen Themenradweg zu verbinden. Keine schlechte Idee, wäre da nicht die kritische Namensgebung.

Der steuerfinanzierte Radweg und seine Beschilderung kostet insgesamt rund 225 000 Euro. Eine Hälfte wird durch EU-Zuschüsse finanziert, die andere tragen die Gemeinden. Einen Großteil zahlt die Gemeinde Pfaffenhofen. Sie übernimmt 70 584 Euro, die anderen fünf Gemeinden zahlen jeweils 16 933 Euro.

Manfred Sailer

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