80 Mal für die Katz mussten Wolfgang Reichelt (vorne) und seine Kollegen von der Feuerwehr Dachau 2014 ausrücken. foto: habschied

Raus für nichts und wieder nichts

Dachau - 5.10 Uhr, 2.25 Uhr, 6.11 Uhr. Als die Dachauer selig in ihren Betten schliefen, wurde die Feuerwehr Dachau vor Wochenfrist dreimal innerhalb von vier Nächten alarmiert. Umsonst. Fehlalarme. Oft sind es Dummköpfe, die auf den Alarmknopf drücken, oder die Brandmeldeanlage ist defekt. Immer gibt es Ärger. Vorort und hinterher bei den Kosten.

6.11 Uhr vor knapp einer Woche in Dachau. Schon wieder war eine Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Dachau auf dem Weg zu einer Firma in der Max-Planck-Straße. Es war das dritte Mal in vier Tagen. Und die Retter ahnten, was im Stadtteil Ost auf sie wartet: nämlich nichts. Doch was blieb den Brandschützern schon anderes übrig? Sie mussten rein in ihre Anzüge und Autos. Das gebietet ihnen ihr Berufsethos. Und tatsächlich, in der Max-Planck-Straße war kein Feuer; weit und breit. Es war der dritte Fehlalarm in vier Nächten. „Hoffentlich geht das nicht so weiter - genervt“, postete die FFW später auf ihrer Facebookseite. „Es ist ärgerlich, wenn du für eine halbe oder dreiviertel Stunde rausgerissen wirst. Du schläfst insgesamt schlechter“, ergänzt Wolfgang Reichelt, Feuerwehrreferent im Stadtrat und aktiver Feuerwehrmann.

Im Gewerbegebiet war die Brandmeldeanlage der Firma defekt. Doch es gibt auch Dummköpfe, die aus Jux und Tollerei einen Feuermelder einschlagen, oder renitente Eiferer wie den, der bei einer Veranstaltung der AfD im Ludwig-Thoma-Haus den Saal geräumt haben wollte. Es kam auch schon vor, dass die FFW zu einem Verkehrsunfall gerufen wurde und die beteiligten Autos wie vom Erdboden verschluckt waren, als die Retter eintrafen. Auch dieser Fall gilt als Fehlalarm. Bei 393 Einsätzen im Jahr 2014 war das Ausrücken der Feuerwehr Dachau 80 Mal (20 Prozent) für die Katz.

Fehlalarme kosten natürlich Geld - und den Protokollanten jede Menge Nerven. „Für alle Abrechnungen der Feuerwehr ist eine Mitarbeiterin Vollzeit beschäftigt“, sagt Ordnungsamtsleiter Stefan Januschkowetz. Alles werde im Einzelfall entschieden, eine pauschale Abgeltung der Kosten gebe es nicht. Jeder Mann (bzw. Frau), jedes Fahrzeug oder das mitgeführte Material usw. werden berechnet. Dabei macht es einen gewaltigen Unterschied, ob die Brandschützer beispielsweise zum Klinikum ausrücken müssen oder nur zu einem vermeintlich brennenden Abfalleimer. Grundlage für die Kostenkalkulation ist die „Satzung über Aufwendungs- und Kostenersatz für Einsätze und andere Leistungen der Freiwilligen Feuerwehren Dachau und Pellheim“. Alle Einsätze zusammengerechnet kosteten im vergangenen Jahr etwa 75 000 bis 80 000 Euro. Pro Einsatz rechnete das Ordnungsamt für die FFW Dachau 200 bis 500 Euro ab.

Bei einem vorsätzlich oder grob fahrlässig ausgelösten Alarm oder bei einer privaten Brandmeldeanlage (unabhängig vom Verschulden) muss der Verursacher blechen, so steht es in der Satzung. Erscheinen neben der Dachauer auch noch Kollegen aus anderen Wehren, was durchaus üblich ist, dann kommen deren Kosten natürlich noch obendrauf. Die Firma in der Max-Planck-Straße wird sich also genau überlegen, ob es nicht Sinn macht, den defekten Feuermelder schleunigst zu reparieren.

Thomas Zimmerly

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