Landkreis Dachau trotzt dem Bayern-Trend

Realschule steht beonders hoch im Kurs

Dachau - In Bayern sind sich Schüler ziemlich einig: Der Großteil will Abitur. Und geht deshalb schnurstracks nach der vierten Klasse aufs Gymnasium. Nicht aber im Landkreis Dachau. Hier stehen die Realschulen ganz besonders hoch im Kurs - aus gutem Grund.

Die Schülerzahlen an den Realschulen sind im Landkreis Dachau weiter ansteigend - und: Wenn man die einzelnen Jahrgangsstufen im Landkreis ansieht, gibt es praktisch genau so viele Realschüler wie Gymnasiasten.

Was erstaunlich ist, denn in vergleichbaren Landkreisen wie Fürstenfeldbruck, Freising, Erding und Ebersberg sind die Übertrittsquoten auf die Realschulen deutlich geringer, betonte Sachgebietsleiter Albert Herbst vom Landratsamt im Schulausschuss des Kreistags.

Warum das so ist, darüber könne man allerdings nur spekulieren, betonte Herbst. Mit den Noten habe es jedenfalls nichts zu tun, viele Schüler entscheiden sich für die Realschule, obwohl sie vom Notendurchschnitt her auf das Gymnasium dürften. Herbst erklärte jedoch: „Durch die kirchlichen Realschulen haben wir eine sehr gute Versorgung, die von den Eltern auch gut angenommen wird.“

Was Anton Wagatha positiv sieht. „Das freut uns“, sagte der Rektor der Indersdorfer Realschule nach der Sitzung. „Unsere Schule hat auch einen guten Ruf: Die Eltern wissen ihre Kinder bei uns gut aufgehoben. Wertevermittlung ist uns wichtig.“ Außerdem, sagt Wagatha, sei die Realschule der „Königsweg“: „Nach der Realschule sind alle Wege offen, und dann, nach der zehnten Klasse, sind die Kinder auch schon so weit, dass sie das selbst entscheiden können.“ Ob Fachoberschule, Berufsausbildung oder sogar Übertritt auf das Gymnasium - mittlerweile ist praktisch nichts mehr unmöglich. Und seit zehn Jahren seien jedes Jahr alle seine Abschlussschüler untergekommen, in Ausbildungsplätzen oder auf weiterführenden Schulen, so Wagatha. Sein Sohn hat solch eine Schulkarriere hingelegt: Er ging auf die Realschule Dachau, machte dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann und wird nun auf die Berufsoberschule gehen.

Offenbar haben die Landkreisbürger eine offenere Einstellung gegenüber den verschiedenen Schularten. Während bayernweit etwa 28 Prozent auf die Realschule gehen, aber 39,5 Prozent auf das Gymnasium, herrscht im Dachauer Landkreis sogar „eine saubere Dreiteilung“ der Schülerzahlen auf Mittel-, Realschule und Gymnasium, erklärte Herbst: „Was vielleicht gar nicht so unvernünftig ist.“

Kreisrätin Marese Hoffmann (Grüne) war sogar begeistert von den Zahlen: „Wir können glücklich sein, eine solche Verteilung zu haben.“ Und auch die Gymnasien haben kein Problem mit der Verteilung. „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Schülerzahlen bei uns weniger werden“, sagt Kurt Stecher, Rektor des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau. „Es schwankt ein bisschen, das ist aber die normale Fluktuation.“

Ob die Zahlen auch in der Zukunft so bleiben, kann keiner vorhersehen - das wissen nur die Eltern der zukünftigen Schüler. Und so sinnierte Landrat Hansjörg Christmann abschließend: „Wenn das aber zu einem Trend wird, sollte man sich doch überlegen, eine Elternbefragung durchzuführen." (np)

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