„Wir kriegen euch alle - 88“: Diese Parole schmierten Unbekannte an die Freiraum-Fassade. 88 steht für zweimal den achten Buchstaben des Alphabetes: „Heil Hitler“. kn

Rechtsradikale Parolen an Freiraum-Fassade

Dachau - Hakenkreuze und rechtsradikale Parolen haben Unbekannte an die Außenfassade des Jugendtreffs Freiraum gesprüht. Das teilte die Polizei mit - und Marius Arndt vom Freiraum e.V., der auch scharfe Kritik an der Arbeit der Polizei äußert. Polizeisprecher Michael Richter weist diese zurück.

„NSDAP“, „HH“, „Anti-Zecken“ oder „Wir kriegen euch alle - 88“: Solche Parolen sprühten der oder die unbekannten Täter in großen Buchstaben und in blauer Farbe an die Außenfassade des Jugendtreffs in der Brunngartenstraße. Laut Pressemitteilung war dies nicht der erste Übergriff mit neonazistischem Hintergrund: Im Februar 2014 sei schon einmal die Außenfassade mit neonazistischen Parolen besprüht worden, im Dezember 2013 habe der Verein einen Umschlag mit der Aufschrift „Letzte Warnung“, in dem sich vermutlich ein Tierorgan befunden habe, bekommen.

Über den aktuellen Vorfall „wurde die Polizei informiert“, so Marius Arndt. Sie „hat es aber nicht für nötig erachtet, die Schmierereien vor Ort persönlich zu begutachten und so mögliche Hinweise auf die Täter festzustellen.“ Doch diese Aussage ist „totaler Unsinn“, sagt Michael Richter, Sprecher der Polizei.

Die Mitteilung, dass die Fassade des Jugendtreffs besprüht wurde, sei per E-Mail anonym bei der Polizei eingegangen - und zwar am Montagnachmittag. In der E-Mail sei kein Ansprechpartner und keine Telefonnummer genannt gewesen. Die Polizei habe unverzüglich die Kripo verständigt, und ein Polizeibeamter der Ermittlungsgruppe sei sofort zum Freiraum e.V. gefahren - allerdings waren die Schmierereien da schon übermalt. „Eine Spurensicherung war nicht mehr möglich“, so Richter. Marius Arndt vom Freiraum e.V. sagte, dass „wir die Schmierereien bereits kurz nachdem wir sie am Samstagnachmittag entdeckt haben, wieder übermalt haben“.

Wie Richter von der Polizei weiter erklärt, habe sein Kollege trotzdem Fotos von der Fassade gemacht. Vor Ort sei niemand vom Freiraum e.V. gewesen. Die Polizei habe außerdem die Stadt Dachau informiert - am Dienstagmorgen, weil die Verwaltung am Montagnachmittag bereits geschlossen hatte. „Was sollen wir noch tun?“ Wirklich erklären kann sich Michael Richter die Kritik des Freiraum e.V. nicht. Vermutlich liege der Grund in der politischen Gesinnung, meint er: Die Mitglieder des Freiraum e.V. seien grundsätzlich gegen jegliche Art von Staatsgewalt.

Noch einen Seitenhieb hat Marius Arndt auf die Polizei parat: „Wir erhoffen uns von der Polizei eine Bereitschaft, solche Straftaten und ihre Täter mit dem nötigen Engagement zu verfolgen.“ Was Richter entkräftet: „Selbstverständlich gehen wir dem nach. Die Kripo ermittelt.“

Gesucht werden nun Zeugen. Und zwar nicht nur für den Fall in der Brunngartenstraße: Vermutlich auch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde der seitliche Handlauf der Amperbrücke an der Ludwig-Thoma-Straße mit zwei Hakenkreuzen und rechtsradikalen Schriftzügen beschmiert - ebenfalls in blauer Farbe. Ein Passant informierte die Polizei am Sonntag. Der am Handlauf entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund 800 Euro, der an der Fassade des Jugendtreffs auf 500 Euro. Die Kripo Fürstenfeldbruck geht davon aus, dass es sich um den oder die selben Täter handelt. Hinweise unter 0 81 41/ 61 20.

Nikola Obermeier

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