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Beim Sport wird derzeit auf Hygiene größten Wert gelegt.

Geduldsprobe für Vereine

Reinigen, lüften, sporteln: Für den Hallensport im Landkreis Dachau gelten in Corona-Zeiten viele Vorgaben

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Egal ob Fußball, Mutter-Kind-Turnen oder Senioren-Gymnastik: Viele Sportler trainieren im Sommer stets draußen, andere haben heuer wegen der Corona-Einschränkungen ihre Aktivitäten erstmals ins Freie verlegt. Nun aber, wo die Tage kühler werden, sind wieder die Hallen gefragt und viele Vereine auf die Schulsporthallen angewiesen. Allerdings gelten dafür jetzt coronabedingt viele Vorgaben.

Landkreis – Jeder Sportverband hat Richtlinien herausgegeben, zudem muss das „Rahmenhygienekonzept Sport“ beachtet werden, das Innen- und Sportministerium gemeinsam veröffentlicht haben. So müssen nach jeder Gruppe Lichtschalter und Türklinken gewischt, Sportgeräte wie Bälle oder Tore gereinigt, Toiletten geputzt werden. Duschen und Umkleiden können je nach konkreten Bedingungen vor Ort nur eingeschränkt oder gar nicht genutzt, ein Luftaustausch muss sichergestellt werden. Die Folge: Nicht alle Schulturnhallen, wo tagsüber die Schulkinder sporteln, ist auch für Vereine im gewohnten Umfang nutzbar.

So bleibt in Vierkirchen die Sportstätte an der Grundschule für „schulfremde Nutzer“ ganz gesperrt. „Wir haben allen Vereinen bis auf weiteres abgesagt“, sagt Geschäftsleiterin Cornelia Hartl. Der zusätzliche Reinigungsaufwand und die damit verbundenen Kosten seien einfach zu hoch.

Noch nicht für Vereine freigegeben ist die Halle der Vinzenz-von-Paul Realschule Markt Indersdorf. Dort sucht man noch nach einer Lösung für die zusätzliche Reinigung abends nach dem Vereinssport. „Ein rein logistisches Problem“, sagt Konrektorin Margot Hage. Noch diese Woche soll es eine Regelung geben. „Wir wollen die Vereine nicht aussperren.“ In Weichs wiederum können örtliche Vereine die Halle nutzen, „aber für private Gruppen und Veranstaltungen vergeben wir die Halle nicht“, erklärt Bürgermeister Harald Mundl.

Einschränkungen gibt es auch in Petershausen, die sind den technischen Voraussetzungen der Halle geschuldet, so Bürgermeister Marcel Fath. Die Kapazität der Lüftung erlaube nach dem Schulsport nur eine Belegung pro Abend für zwei Stunden. Da die Halle teilbar ist, können zwei Gruppen parallel trainieren. Der Bedarf ist viel höher. Neu haben sich heuer nämlich auch Blaskapelle, Chor und Volkshochschule gemeldet, weil ihre angestammten Räume unter Corona-Auflagen zu klein sind oder wie der Pfarrsaal nicht freigegeben werden. Der Bürgermeister hat deshalb eine Nutzerkonferenz anberaumt. Das Ergebnis: Alle kommen unter, „aber im 14-tägigen Wechsel“. Und wie es bei einem strengen Winter weitergeht, ist offen. Denn ab minus fünf Grad geht durch die intensive Frischluftzufuhr zu viel Wärme verloren, „das schafft unsere Heizung nicht“.

Die Hallen von Stadt Dachau und Landkreis stehen dagegen Vereinen offen, beide Träger geben die Verantwortung für die Einhaltung aller Vorgaben an die Nutzer weiter. „Die Vereine müssen bestätigen, dass ein Konzept vorliegt und auch die Einhaltung gewährleisten“, erklärt Markus Haberl, der für den Sport zuständige städtische Amtsleiter. Ziel sei es gewesen, „die Hallen aufzukriegen für die Vereine und den Schulsport durchführen zu können“. Man verlässt sich auf die Sportler, die ja selbst das größte Interesse daran haben, dass alles klappt. „Wir kontrollieren aber stichprobenartig“, betont Haberl.

Ähnlich handhabt es der Landkreis. Nutzer erstellen „in eigener Verantwortung ein standort- und sportartspezifisches Schutz- und Hygienekonzept unter Beachtung der geltenden Rechtslage.“, wie die Pressestelle mitteilt. Die Vereine seien auch „für die Einhaltung und Umsetzung zuständig“.

Tatsächlich ist das für die Sportvereine durchaus eine Herausforderung. Der Dachauer TSV 1865 hat in jeder Abteilung und zusätzlich jeder Trainingsgruppe Corona-Beauftragte benannt, um die Einhaltung der Vorgaben zu gewährleisten, berichtet Vorsitzender Wolfgang Moll. Fürs Türklinken putzen, Duschen wischen und Geräte sauber machen entstünden zudem Kosten und Mehraufwand. Denn auch Lappen und Reinigungsmittel muss der Verein bereitstellen. „Aber das nehmen wir gerne in Kauf im Sinne des Sports“ betont Moll. Vielmehr sei der TSV wie vermutlich alle Vereine froh über das Vertrauen. „Da werden wir einen Teufel tun und das missachten.“ Dann wäre es wohl rasch wieder vorbei mit dem Hallensport.

Petershausens Bürgermeister Fath jedenfalls formuliert klar: „Wenn es nicht funktioniert, werden wir die Halle sofort schließen. Im Vordergrund müssen die Kinder und ihre Familien, muss der Schulbetrieb stehen.“

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