Dieser Ochse ist sanft, geduldig – und müde. Zusammen mit seiner Besitzerin Cornelia Baur hatte Ringo auf dem Obergrashof in Dachau gerade eine Therapiestunde mit einer Patientin. Foto: praun

Ringo, der Seelenklempner

Dachau - Ringo wiegt 1120 Kilogramm. Das liegt an seiner großen Leidenschaft: fressen. Dieses Hobby lässt er sich nicht ausreden, denn Ringo ist stur. Ein Ochse eben.

Genauer gesagt Deutschlands erster Therapieochse. Seine aktuelle Patientin ist das genaue Gegenteil von ihm. Sie ist magersüchtig. Langsam schreitet Cornelia Bauer über den Obergrashof, das Halfter fest in der Hand, daran angeleint trabt ganz gemächlich Ringo. Als die Ärztin nach rechts in eine große Allee abbiegen will, bleibt Ringo stehen und hebt den Kopf – der Duft eines ganz besonders frischen grünen Strauchs hat wohl seine Aufmerksamkeit geweckt. Der Ochse ist ein ganz besonders verfressenes Exemplar seiner Art – „er denkt den ganzen Tag an nichts anderes“, sagt Cornelia Baur. Im Moment aber hat sie kein Erbarmen mit Ringo und seinen Gelüsten. Denn im Moment sind die beiden bei der Arbeit – mitten in einer Therapiestunde.

„Rechts hab ich gesagt!“ Mit ihrem ganzen Körpergewicht stemmt sich Cornelia Baur gegen Ringo, bis der schließlich nachgibt und seinen massigen Körper nach rechts schiebt. „Manchmal ist er einfach unglaublich stur“, sagt Cornelia Baur über den riesigen Ochsen neben ihr.

Doch die Sturheit, die einem ehemaligen Stier wohl grundsätzlich noch im Blut liegt, ist nicht die eigentlich herausragende Eigenschaft von Ringo – sondern die Ruhe, die Gelassenheit und eine ganz erstaunliche Ausgewogenheit. „Außerdem ist er unglaublich neugierig.“ Damit hat der Ochse all die Eigenschaften, die für ein Therapietier essentiell sind. Deshalb hat Cornelia Baur Ringo zu einem Therapieochsen ausgebildet – dem einzigen in ganz Deutschland. Ringo ist das vermutlich schwerste Therapietier weit und breit.

Wuchtig wirkt der Ochse, viel größer und mächtiger, als man sich gemeinhin einen Ochsen vorstellt. Trotz der offensichtlichen körperlichen Überlegenheit lässt sich der Koloss von seinem Frauchen gemächlich über den Bauernhof führen. Obwohl er sie mit einem Wink seines Hufs mal eben außer Gefecht setzen könnte. Gut erzogen ist er eben, ein gemütlicher Typ noch dazu, ein wenig lethargisch. Genau deshalb aber ist Ringo eben kein gewöhnlicher Stallbulle. Ringo ist sanft, Ringo ist geduldig – und Ringo ist nun sehr müde.

Denn heute hat der Ochse schon brav gearbeitet, mit Tanja Wiedenbauer (Name geändert), die nun langsam neben den beiden hergeht. Sie ist kleiner als Cornelia Baur. Und zarter. Neben Ringo wirkt die 20-Jährige wie ein junges Mädchen.

Tanja hat heute schon viel Zeit mit Ringo verbracht. Nun begleitet sie ihn noch zurück in seinen Stall. Heute gab es „freie Begegnung“, wie es ihre Ärztin Cornelia Baur formuliert: Die beiden Damen haben es sich auf einer Picknickdecke in der Wiese gemütlich gemacht, und Ringo durfte näher kommen – oder eben nicht: freie Begegnung. „Heute wollte ich einfach nicht aufsteigen“, sagt Tanja. Was sie machen will, entscheidet Tanja bei jedem Treffen spontan – ob sie reiten, spazieren gehen oder Ringo nur von weitem beobachten will, wie heute. Die ganze Reportage lesen Sie am Samstag in den Dachauer Nachrichten. np

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