Die Schreibmaschine ist das Instrument: Jürgen Schieber mit „The Typewriter”. Foto_ Schäfer

Ein Ritt auf den Saiten der Zeit

Karlsfeld - Die Saitenreise war auch eine Zeitenreise: Beim Jubiläumskonzert gab das Vivaldi Orchester Karlsfeld einen festlichen Querschnitt durch sein großes Repertoire.

Im sehr gut besuchten Bürgerhaus glänzte das Vivaldi Orchester zu seinem 40-jährigen Bestehen mit großen Repertoire und eigenen Solisten. Das vielfach mit Preisen ausgezeichnete und international bekannte Zupforchester machte seinem Namen alle Ehre und spielte in leichtläufiger und feiner Stimmung.

Der Vorsitzende Martin Ziegenaus charakterisierte den 40. Geburtstag des Orchesters aus menschlicher Sicht: „Man hat einiges mitgemacht und die ersten grauen Haare, ist aber voller Kraft und hat vor allem für Nachwuchs gesorgt.“

In all dem Freudentaumel kam aber auch die Musik der Mandolinen, Mandolen, Gitarren, Kontrabässe und des Schlagzeugs nicht zu kurz. Die Vivaldi-Tiger stimmten das Publikum mit frohen Stücken ein, die gefühlvolles und feinsinniges Musizieren vorwegnahmen. Die Jugend ist so engagiert bei der Sache, dass einige „Tiger“ bereits im großen Vivaldi Orchester mitspielen.

Der Auftritt des großen Vivaldi Orchesters wurde vom rhythmischen Klatschen des Publikums begleitet. Die Vorschusslorbeeren waren gerechtfertigt, denn das Orchester beeindruckte mit einem stimmigen Programm durch die Jahrhunderte und Stile und kultiviertem Spiel: Musik zum Hinhören. Die Moderation oblag Ralf Hanrieder und Angelika Tausch. Aus Melodiefragmenten alter Tänze des 16. Jahrhunderts bestehen die „Tabulaturen“, die heiter und stimmungsvoll zugleich waren. Weil es in Karlsfeld ohne Blasmusik nicht geht, wie Ralf Hanrieder launig bemerkte, wurde auch diesem Umstand Rechnung getragen. Als „Quotenbläserin“ spielte Ulrike Pobel ein wunderbares Konzert C-Dur für Blockflöte und Zupforchester mit filigranen Lautmalereien. Ihrem Namensgeber Antonio Vivaldi huldigten die vier Gitarrensolisten Andreas Froschmayer, Colin Lang, Anna Pobel und Angelika Riepl im „Concerto h-moll op. 3 Nr. 10“. Sie schlugen sensibel die Saiten und betonten die lautmalerischen Verzierungen der barocken Musik.

Einen Sprung ins 20. Jahrhundert machte Orchestermitglied Jürgen Schieber mit Leroy Andersons witzigem Ohrwurm „The Typewriter“ und hackte die Noten in eine mechanische Schreibmaschine. Monika Fuchs-Warmholds Tochter Julia sang mit ausdrucksvollem Mezzosopran und sicher in allen Lagen „Gabriellas Song“ und schickte mit der Samba „Mas que nada“ Brasilienfeeling in den Saal. Die Reise führte mit rhythmisch betonten Kompositionen weiter nach Spanien, Italien und Griechenland und beschwor farbenreiche Bilder herauf. Größer könnte der Gegensatz nicht sein: Stampfende Elefanten gespielt auf zierlichen Saiteninstrumenten.

(sch)

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