Arbeitsplatz in höchsten Höhen: Auf einer selbstgezimmerten Holzleiter kletterte Mesner Georg Michl immer in den Glockenturm von St. Nikolaus hinauf. Foto: hartmuth

Den Ruhestand eingeläutet

Vierkirchen/Rettenbach - 35 Jahre lang ist Georg Michl Mesner in der St. Nikolaus-Kirche gewesen. Er hat nicht nur unglaublich viel Zeit und Geld in seine Heimatkirche gesteckt, sondern vor allem viel Liebe.

Die Dorfkirche hat ihn schon als Kind begeistert. Jeden Tag war Georg Michl dort, durfte mittags und abends die Glocken läuten.

Die Liebe zu der denkmalgeschützten Wehrkirche aus dem 13. Jahrhundert hat der heute 72-Jährige von seiner Mutter übernommen. Sie war selbst 35 Jahre lang Mesnerin. „Wir waren jeden Tag in der Kirche, das ganze Jahr durch und ohne Ferienpause“, erinnert sich Michl. Früher wurden Messen zum Patrozinium am 6. Dezember und für Bittgänge im Frühjahr abgehalten. Hochzeiten gab es in St. Nikolaus nur ganz selten – die letzte vor etwa fünf Jahren.

Da es seit 1700 keinen eigenen Friedhof in Rettenbach gibt, werden auch keine Messen für Beerdigungen anberaumt. Aber die Sterbeglocken hat der Mesner in seiner Amtszeit 44-mal geläutet. Auf einer großen Tafel am Eingang der Kirche hat er alle Todesfälle festgehalten und sie wie die Geburten in das Buch eingetragen, das seine Mutter 1930 angelegt hatte.

Als Mesner hatte Georg Michl für die Gottesdienste vielfältige Aufgaben zu erfüllen: Er musste Hostien und Messwein bereitstellen, das Messgewand und -kelche herrichten. Drei- bis viermal im Jahr hat er außerdem mit Unterstützung seiner Ehefrau Kreszenz die Kirche geputzt.

Die Fernbedienung für die Kirchenglocken hat der gelernte Maurer im Kirchenschiff selber installiert. Bis in das kleinste Detail hat er alles durchdacht. Und ständig war er auf der Suche nach der passenden Ausstattung für die Kirche.

Besonders stolz ist er auf den Altar von 1886: Bei einem Arbeitseinsatz in Waging entdeckte er zufällig in einem Hühnerstall einen handgeschnitzten Altar. Vom Franziskuswerk Schönbrunn, dem der Bauernhof gehört, bekam er ihn im Gegenzug für eine Messe. „Der Altar passt hervorragend zu der Pieta“, freut sich Michl.

Aus seinem Urlaub in Südtirol hat der begeisterte Kirchenliebhaber großteils auf eigene Kosten kleine Kirchenglöckchen mitgebracht. Laufend hat er die Zahl der Leuchter oder der aufwändig bestickten Messgewänder erweitert oder einen ausgefallenen Weihwasserkessel erworben. Ausgefallen war auch seine Konstruktion für die beiden Kirchenglocken: Mit einem Techniker hat er mit einem Rad von einem Mähdrescher und dem Motor einer Waschmaschine die Glocken motorisiert.

Bis zuletzt kraxelte Michl gewandt auf der selbst gezimmerten Holzleiter in den Glockenturm. (ch)

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