Schlussstrich unter AWO-Skandal

Indersdorf - Vier Angeklagte von Amtsgericht Dachau wegen Veruntreuung von über 20 000 Euro zu Bewährungsstrafen verurteilt. Defizite mit Mietkautionen ausgeglichen.

Es war ein Skandal, der die Arbeiterwohlfahrt Indersdorf in ihren Grundfesten erschüttert hat: Drei ehrenamtliche Mitglieder des Vorstands und die damals angestellte Geschäftsführerin der AWO-Ortsgruppe hatten in den Jahren 2003 und 2004 Geld aus Mietkautionen veruntreut. Am Montag wurden die ehemalige Geschäftsführerin, die damalige Vorsitzende, ihr Stellvertreter und der ehemalige Kassier wegen Veruntreuung von über 20 000 Euro verurteilt – zu Freiheitsstrafen zwischen vier und sechs Monaten auf Bewährung.

Die Idee der vier Angeklagten war einfach. Die Sozialstation Indersdorf hatte gewaltige finanzielle Defizite, die von der AWO nicht mehr zu stemmen waren. Um diese Löcher zu stopfen, nahmen die Angeklagten Geld von den hinterlegten Kautionen der Mieter aus den betreuten Wohnanlagen der AWO – „Fremdgeld“, wie Richter Stefan Käsbohrer betonte.

In der Verhandlung räumten die Angeklagten den Sachverhalt voll ein. Sie ließen jedoch über ihre Rechtsanwälte verlautbaren, dass „nie Geld in die eigene Tasche geschoben wurde“, dass es „nur gut gemeint“ war, und lediglich „unglückliche Umstände“ zur Tat geführt hätten. „Der Verein war sozusagen ihr Kind“, sagte der Rechtsanwalt der Geschäftsführerin. „In keinster Weise geschah es aus bösem Willen.“

Klar ist jedoch, dass die finanzielle Misere durch Misswirtschaft entstanden ist. Das Gesamtdefizit habe sich damals auf 220 000 Euro belaufen, berichtet Oskar Krahmer, Vorsitzender des AWO-Kreisverbands. Er war es auch, der im September 2005 bemerkte, dass 85 000 Euro Kautionsgelder des AWO-Ortsverbands in den normalen Geldkreislauf verschoben waren.

„Ich bin traurig, dass damals so gehandelt wurde“, sagte Krahmer gegenüber unserer Zeitung. „Aber die Ehrenamtlichen haben sicher nicht mit Vorsatz gehandelt.“

Er war es auch, der darauf bestanden hatte, den Vorfall zur Anzeige zu bringen. Mit der damaligen Vorsitzenden ist Krahmer persönlich zur Polizei gegangen. Die Ortsgruppe AWO Indersdorf existiert seitdem nicht mehr, für sie wurde Insolvenz beantragt.

Abschließend betonte Richter Stefan Käsbohrer in seinem Urteil: „Ich bin mir sicher, dass Sie sich nicht selbst bereichern wollten.“ Die Strafen seien im untersten Bereich des gesetzlichen Strafmaßes angesiedelt. Als Bewährungsauflage müssen die Verurteilten jeweils ein Monatseinkommen einem guten Zweck zuführen. (np)

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