Musikalisch gut drauf sind Stanzi Kraus und Otto Göttler – und nehmen bayerische Lebensart in Stadt und Land genau aufs Korn: mit Humor und scharfer Beobachtungsgabe. Foto: SH

Schwarzer Humor und schräge Töne

Haimhausen - Mit Harfe, Trompete und Ziach produzierten Otto Göttler und Konstanze Kraus schräge Töne. Ihre unverschämte Wirtshausmusik war eine gelungene Karikatur auf das bayerische Leben und seit Wochen ausverkauft.

Ein schlichtes Schild mit der Aufschrift „Ausverkauft“ zierte die Eingangstür der Kulturkreiskneipe. „Überfüllt“ hätte besser gepasst. Seit Wochen gab es keine Karte mehr für Otto Göttler und Konstanze Kraus und ihre „Unverschämte Wirtshausmusik“. Sogar um Stehplätze wurde gekämpft.

Leger und bayrisch-rebellisch mit dem Drang, die Dinge ausdrucksstark beim Namen zu nennen begeisterten die beiden Künstler schon mit den ersten Tönen auf Harfe und Trompete. Ungewöhnlich schräg wie die Instrumentenwahl - und doch auf eigentümliche Art harmonisch duellierten sich die beiden um tiefsinnig-lockere Sprüche, bevor sie im gesungenen Duett wieder in gemeinsamen Akkorden zueinander fanden.

„Stanzi“ Konstanze Kraus redete wie ihr der Allgäuer Schnabel gewachsen ist. Strohtrocken schleuderte sie ihre Sprüche ins Publikum, das oft eine kleine „Was-war-jetzt-das-Pause“ brauchte, ehe es in schallendes Gelächter ausbrach. In ihrem charmanten Heimatdialekt offenbarte die studierte Harfinistin tiefenpsychologische Einblicke in die komplexe weibliche Seele des Allgäus. Was macht eine Frau, wenn ihr langweilig Ist? Sie geht shoppen in die nächste Großstadt Kempten. Doch dann funktioniert die EC-Karte am Automaten nicht, was einige Wartende zu blöden Kommentaren beflügelt. Wie sich die Allgäuer Dame von Welt dagegen mit deftigen Sprüchen wehrt und am Ende daheim auf dem Sofa feststellt, wie schön es da ist, beschreibt Stanzi in einer lebhaften Schilderung. Begleitet von Otto Göttler auf einer Trompete „vom Flohmarkt“ wechselt sie zum rhythmischen Lied und rupft dabei an ihrer Harfe, als ob die Schuld an der Misere hätte. Jede Nummer enthält eine gewaltige Portion Humor, mal schwarz und böse, mal feinsinnig, fast poetisch. Die Musik klingt schrill und disharmonisch, mitunter volkstümlich oder auch federleicht und lyrisch.

Zunehmend gewinnt der Hörer den Eindruck: Die beiden nehmen nichts wirklich ernst. Egal, ob es sich um aktuelle Probleme wie Finanzkrise und Energiewende oder den Tod eines Goldhamsters handelt. Tragisch, wenn ein Grantler in der Stadt zum Lachen in den Keller gehen will und feststellen muss, dass der längst zu einer Tiefgarage ausgebaut wurde.

Auch Haimhausen blieb von gutmütigem Spott nicht verschont: „Hier gibt es eine Hauptstrasse, ein sehr einfallsreicher Name. Aber einen Adriatic Grill, den ham mir im Allgäu ned.“ (sh)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auf Nummer sicher beim Osterfeuer: Tipps von der Feuerwehr
In Bayerns Wäldern herrscht wegen der anhaltenden Trockenheit erhöhte Waldbrandgefahr – gerade durch die anstehenden Osterfeuer, wie Kreisbrandinspektor Maximilian …
Auf Nummer sicher beim Osterfeuer: Tipps von der Feuerwehr

Kommentare