Schwimmunterricht für muslimische Mädchen: "Meine Tochter schwimmt nicht!

Dachau - Besser verhüllt schwimmen als gar nicht. So sieht es das Bundesverwaltungsgericht aber so manche muslimische Eltern sehen es anders. In Karlsfeld weigert sich ein Vater, seine Tochter schwimmen zu lassen.

Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass es muslimischen Mädchen zugemutet werden kann, zusammen mit Buben am Schwimmunterricht teilzunehmen. Das Zauberwort, das die Richter zu ihrem Urteil führte, heißt Burkini. Das ist ein zweiteiliger Schwimmanzug für muslimische Frauen, die sich aus religiösen Gründen im Hallenbad nicht im Bikini oder Badeanzug zeigen wollen.

Doch dass auch der Burkini nicht für alle Betroffenen die Lösung bringt, weiß Roland Karl, Leiter der Karlsfelder Grundschule an der Krenmoosstraße, nur zu gut. Erst vor einigen Tagen war der Vater einer Viertklässlerin bei ihm, die stets ohne Kopftuch und westlich gekleidet in der Schule erscheint. Das Mädchen solle aber nun aus religiösen Gründen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Er habe bereits zwei ältere Töchter, die nicht schwimmen können und es auch nicht in der Schule lernen mussten. Nun solle auch seine dritte Tochter vom regelmäßigen Sprung ins kalte Nass befreit werden. „Ich habe ihm gesagt, dass mir da die Hände gebunden sind“, berichtet Karl. Es gebe zwar die theoretische Möglichkeit, dass das Kind während der Schwimmstunde an einem anderen Sportunterricht teilnimmt. Aber durch das jüngste Gerichtsurteil könne er sich „nicht darüber hinwegsetzen“. Dafür habe der Vater allerdings kein Verständnis.„Er hat gesagt: ,Lieber gehe ich in den Knast, aber meine Tochter schwimmt nicht.“

Ein Burkini sei für den Mann kein Kompromiss. Der Schulleiter wollte den Vater davon überzeugen, dass es lebensrettend sein kann, schwimmen zu können - gerade in Anbetracht des naheliegenden Karlsfelder Sees. Doch die Antwort des Mannes, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, habe lediglich gelautet: „Jeder muss mal sterben.“

Dieser Fall der Karlsfelder Grundschule ist im Landkreis Dachau bislang der einzige, der auch an Isolde Stefanski vom Dachauer Schulamt herangetragen wurde.

Den meisten Rektoren sind derartige Probleme fremd, wie Thomas Frey, Leiter der Mittelschule Indersdorf, bestätigt: „Wir hatten einmal eine Schülerin mit Kopftuch. Doch diese hat es auch nach kurzer Zeit wieder abgelegt.“

Auch an der Grund- und Mittelschule Bergkirchen gab es noch nie ein Problem mit muslimischen Schülerinnen in puncto Schwimmunterricht. „Das ist überhaupt kein Thema,“ berichtet Rektor Albert Sikora. Das Gleiche gilt für die Grundschule Augustenfeld in Dachau.

Frauen in Burkinis sind nicht an der Tagesordnung, sagt zudem Sebastian Hartmann, Bademeister im Hallenbad Karlsfeld. Er kann sich nur an ein einziges Mal erinnern, dass eine Dame in einem Burkini ins Becken stieg. „Da gibt‘s halt am Anfang mal neugierige Blicke, aber das war es dann.“ Peter Wummel von der Mittelschule Karlsfeld hat hingegen ab und zu Probleme mit dem Schwimmunterricht für Musliminnen. „Doch wir lassen nichts durchgehen. Wir bestehen auf den Schwimmunterricht. Die einzige Ausnahme bilden medizinische Gründe wie beispielsweise eine Chlorallergie.“ Die meisten muslimischen Eltern würden es aber letztlich akzeptieren, dass ihre Töchter mitschwimmen. „Wir hatten vielleicht mal ein oder zwei Fälle, wo sich die Eltern zunächst geweigert hatten“, erzählt Wummel. „Aber die meisten sind offener, als man denkt.“

Die Lösung in kritischen Fällen waren bislang ärztliche Atteste, die die Mädchen vom Schwimmunterricht befreiten. Doch nun steht das Urteil im Raum. Dennoch stellt sich der Vater an der Karlsfelder Grundschule quer. Der Schulleiter hat der Familie einen Brief geschrieben, in dem steht, dass das Kind zur Teilnahme am Schwimmunterricht verpflichtet sei. Die erste Stunde im Hallenbad fand am vergangenen Freitag statt - ohne das Mädchen. Der Vater hatte sie krankgemeldet. „Jetzt muss ich abwarten, ob sie ein Attest bringen“, erklärt Schulleiter Karl. In 14 Tagen, bei der nächsten Schwimmstunde, „erwarte ich das Gleiche wieder“, so der Rektor. Dann müsse der nächste Druck aufgebaut werden: „eine schulärztliche Untersuchung“. Sollte sich die Familie weiterhin weigern, droht laut bayerischem Kultusministerium ein Bußgeld.

Conny Kirmaier

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