Rund 200 000 Mädchen und Buben haben bislang in ganz Deutschland angeblich an den Kursen teilgenommen. Foto: kn

Seriös oder nur Geschäft mit der Angst

Schwabhausen - Nur ein Geschäft mit der Angst oder doch ein seriöses Kursangebot für Kinder? Diese Fragen müssen sich die Teilnehmer einer Informationsveranstaltung stellen.

Eingeladen hatte der Elternbeirat vor Wochen per Elternrundbrief an alle Schüler. „Starke Kinder haben es leichter“ bzw. „Kinder stark und selbstbewusst machen“ lautete das Thema. Zu Beginn der Veranstaltung distanzierte sich der Elternbeiratsvorsitzende Hendorfer allerdings und betonte, dass dies „keine schulische Veranstaltung“ sei und auch nichts mit dem Elternbeirat zu tun habe. Hintergrund: Der Kursveranstalter ist bei einem Fernsehbeitrag von „Report Mainz“ am 6. April in der ARD mehr als schlecht weggekommen.

Kursleiterin Heike Gründl, die alle Eltern per Handschlag begrüßt, betont deshalb lieber gleich zu Beginn, dass es sich hier um „keine Verkaufsveranstaltung“ handele. Auf Nachfrage bezieht sie später auch Stellung zu den Vorwürfen von Report Mainz, der den Kursanbieter, WSD Pro Child, kritisiert hatte. Da war die Rede von „fragwürdigen Kursen, getäuschten Eltern und Prominenten“. Es sei eine „Geschichte vom gemeinnützigen Verein, der Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen kann – in Wahrheit ein Geschäft mit der Angst“, so steht es auf der Internetseite vom SWR nachzulesen.

Sportmoderator Ulli Potofski und Bergsteigerlegende Reinhold Messner haben sich mittlerweile von WSD, der Wolfgang Scheiber Developments GmbH, distanziert. Beide sind aber noch im aktuellen Flyer zu finden, den Heike Gründl an diesem Abend in Schwabhausen verteilt. Sie spricht vielmehr von einer „guten Arbeit“, die man leiste. Und dass man Kinder fürs Leben stärke, könne ja nicht verkehrt sein.

Da mag die zweifache Mutter, die von sich selbst sagt, dass sie „kein pädagogisches Fachwissen“ hat, viele Eltern angesprochen haben. Doch auf Nachfrage einer Mutter, was die in sechs Kursstunden gezeigten und laut Gründl „nicht in Perfektion gelernten“ Selbstverteidigungstechniken denn brächten, erklärt die Kursleiterin, dass die Kinder in einer Gefahrensituation ein gestärktes Selbstbewusstsein hätten, durch das Wissen im Kopf „Ich hab’ da mal was gelernt“.

Was die WSD Pro Child GmbH, die hinter dem Verein steckt und von der Gründl erst auf Nachfrage kurz erzählt, unter Gefahrensituation versteht, wird an diesem Abend mehr als deutlich: Wie bereits von Report Mainz kritisiert, wird immer wieder auf dem Thema Missbrauch herumgeritten.

Gründl betont, dass im Kurs nur von „einer Person“ gesprochen werde. Nicht von „fremd“. Dass fast 90 Prozent aller sexuellen Übergriffe bei Kindern aus dem Familien- und Bekanntenkreis erfolgen, wie der SWR Ute Nöthen-Schürmann vom Polizeipräsidium Krefeld zitiert, gibt auch Gründl zu. Doch angesprochen werde das im Kurs nicht, um den Kindern „nicht unnötige Angst“ zu machen.

Dafür werden Rollenspiele und Übungen abgehalten, diskutiert und eben fünf verschiedene Selbstverteidigungstechniken gezeigt. Die Kinder sollen lernen, ihren Kopf einzuschalten, auf ihr Gefühl zu hören, sich laut und deutlich abzugrenzen und wegzulaufen.

Simone Wester

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eine Lösung für den Ärztemangel
Im Dachauer Hinterland herrscht ein Mangel an Hausärzten. Der Sulzemooser Bürgermeister Gerhard Hainzinger berichtet vom Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung und …
Eine Lösung für den Ärztemangel
Feldgedinger Gruppe darf nicht an Faschingsumzügen teilnehmen - Polizei erklärt, warum
Die Feldgedinger Faschingsgruppe ist auch heuer von den Umzügen ausgeschlossen. Doch sie sollen eine Chance bekommen.
Feldgedinger Gruppe darf nicht an Faschingsumzügen teilnehmen - Polizei erklärt, warum

Kommentare